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DB Regio AG

Ist DAS die S-Bahn der Zukunft? | Der DB Ideenzug City im Detail

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YT_E | Ö-D-CH
Projekt
Hochladedatum: 20. November 2021 | Video-Erstelldatum: 26.11.2021 | Ersteller: Eisenbahn in Ö D CH
youtu.be | Dokumentation, YT_E | Ö-D-CH
00:11:27 Videolänge

Videobeschreibung:

Der Ideenzug City ist das zweite Modellprojekte der Deutschen Bahn in Kooperation mit Partnern, das such mit der Zukunft des Fahrgastraums im Nah- und Regionalverkehr beschäftigt. In diesem Video sehen wir uns dieses Zugmodell ganz genau annum beleuchten, welche spannenden Innovationen hier zu finden sind, und welche vielleicht entbehrbar sind.


Weiterführende Informationen:

Das Videoskript zum Nachlesen:

Wenn es um die Eisenbahn der Zukunft geht, dann sollten wir uns nicht nur mit neuen Strecken und modernen, schnelleren und effizienteren Fahrzeugen beschäftigen sondern auch damit, wie Bahnfahren im Zug selbst für den Fahrgast verbessert werden kann. Um für dieses Themenfeld Innovationen aufzuzeigen, hat die Deutsche Bahn das Projekt „Ideenzug“ ins Leben gerufen. Unter dem Namen „Ideenzug Regio“ wurde 2017 das erste 1:1 Modell eines Doppelstockzuges mit unterschiedlichsten modulartigen Konzepten vorgestellt. Nun folgte kürzlich ein zweites Bahnkonzept zum S-Bahn Verkehr der Zukunft, der Ideenzug City. Und dieses Zugmodell, das voller spannender Ideen steckt, sehen wir uns heute im Detail an.

Die Basis

Der Ideenzug City entspricht in Breite und Länge der Module den Abmessungen einer klassischen S-Bahn. Es wurde aber kein ganzer Zug gestaltet sondern vielmehr eineinhalb Wagen. In diesen sind unterschiedlichste Ansätze für den S-Bahn Zug der Zukunft kombiniert. Sie sollen nicht alle gemeinsam umgesetzt werden, sondern vielmehr zeigen, welche Möglichkeiten es gibt. Der fehlende Führerstand soll nicht das Thema des autonomen Bahnbetriebs aufgreifen sondern vielmehr den Endwagen einer Einheit in Mehrfachtraktion darstellen. Die Neuentwicklung eines Führerstandes ist nicht Teil des Projekts.

Das Exterieur

Neben dem futuristischen Design fallen von außen vor allem die unterschiedlichen Türen und Bildschirme auf. Die Zugzielanzeige an der Front des Fahrzeugs wurde über die Stirnseite hinaus verlängert um Linie und Zugziel bei der Einfahrt seitlich anzuzeigen. Die Screens über den Türen informieren über die Auslastung der einzelnen Wagenteile, welche mittels 3D Kameras auf den Sitzplatz genau erfasst wird. Auch über Zwischenhalte und den Status des Einstiegsprozesses wird Auskunft gegeben. Ob man noch einsteigen soll, könnten künftig auch die Türen anzeigen. Beispielsweise mit großen LED-Anzeigen im Glas, die während des Öffnen und Schließens entsprechend beleuchtet sind. Auch über die Position der Türtaster hat man sich Gedanken gemacht. Jene des Modells funktionieren zudem berührungslos, etwas das wir uns derzeit wünschen würden. Im Bereich der Mehrzweckzone kann außen Über LEDs im Glas dargestellt werden, ob der Multifunktionsbereich derzeit verfügbar ist. Mehr dazu gleich. Der farbige LED-Streifen an der Oberseite des Fahrzeugs leuchtet zur besseren Orientierung in der Farbe der jeweiligen S-Bahn Linie.

Innovative Anzeigen im Zug

Für mehr Orientierung sorgen auch die Anzeigen über den Türen im Zug. Sie geben nicht nur die Aussteigsseite an, sondern informieren zudem über die Umsteigemöglichkeiten am Bahnhof, auch zu Bus und Tram und zeigen für jede Türe genau die richtigen Wege und Ausgänge aus der Station an. Hierfür werden unterschiedliche grafische Aufbereitungen getestet.

Quelle: ideenzug.deutschebahn.com

Automaten in der S-Bahn?

Entsprechend vieler Kundenwünsche hat man im Modell an einer geschlossenen Rückwand, hinter welcher der Führerstand liegen kann, Automaten für Getränke und Hygieneprodukte angebracht. In dieser Wand wurde auch eine Ladestation für E-Scooter und - natürlich ein großer Bildschirm untergebracht.

Flex-Sitze

Bewegt man sich in den Sitzplatzbereich des Zuges, wirken die ersten Sitzgruppen auf den ersten Blick recht normal, sie bieten aber eine geheime Funktion: zum besseren Passagierfluss während der Hauptverkehrszeiten können die Außensitze nahe der Tür auf Knopfdruck einfach eingefahren werden, was natürlich mehr Platz schafft. Manche Sitzplätze wurden mit Wireless Charging Pads und zusätzlichen Bildschirmen am Platz ausgestattet, zumindest Letzteres wird sich aber wohl kaum in künftigen Serienfahrzeugen finden lassen, schließlich ist hier auch die Sinnhaftigkeit fraglich.

Plug & Play Sitze und Arbeitstheke

Eine weitere Idee mit viel Potential sind Klappsitze, die je nach Auslastung freigegeben werden können. Möglich wird dies durch einen Magnetmechanismus, der vom Triebfahrzeugführer gesteuert werden kann. Dies funktionierte bereits im Modell und ist eine vandalismussichere Lösung. Mit demselben Mechanismus könnten hockerartige Sitzplätze versehen werden, mit denen man außerhalb der Stoßzeiten an einer Theke zum Arbeiten Platz nehmen kann, natürlich auch mit Stromversorgung. Ein solcher Tisch wurde bereits in einen der 4 selbstfahrenden Züge der S-Bahn Hamburg eingebaut.

Quelle: ideenzug.deutschebahn.com

City Working Privacy Bereich

Ebenfalls zum Arbeiten soll der ich zitiere City Working Privacy Bereich dienen. Dort findet man Stehstützen und außerhalb der Auslastungsspitzen Tische für Laptop oder Tablet. Diese können dann in der Theorie sogar mit dem eingebauten externen Monitor verbunden werden. Für wirklich kurze Fahrten sind diese Lösungen aber wohl kaum notwendig.

Scheiben mit veränderbarer Lichtdurchlässigkeit

Sehr interessant und futuristisch muten die sogenannten Smart Windows an. Das sind Fensterscheiben, deren Durchlässigkeit mithilfe eines Knopfes flexibel geregelt werden kann. Dies wird im Zug der Zukunft aber wohl kaum jedem Fahrgast für jedes Fenster selbst überlassen werden. Zur Steuerung der Temperatur im Zug kann dieses Mittel aber sehr wohl hilfreich sein.

Quelle: ideenzug.deutschebahn.com

Problemfeld Stehsitze

Für echten Kapazitätsgewinn bei vielen Reisenden sorgen Stehsitze die in größerer Zahl hintereinander angeordnet sind und, zumindest im Modell einfach zusammengeschoben werden können. So entsteht ein großer Mehrzweckbereich, der dann eben über die Außenanzeige als verfügbar kommuniziert wird. Zumindest diese Art der Stehstützen wirkt aber in keiner Weise angenehm und fahrgastzentriert. Optisch sieht die Installation zumindest meiner Meinung nach ebenfalls nicht gut aus und komfortabel ist sie ebenfalls wirklich nicht. Hier stehe ich lieber in der Mitte des Zuges und halte mich irgendwo fest. Dies ist wohl der unschönste Versuch der Bahn, möglichst viele Menschen in einen Zug zu bekommen. Nicht umsonst steht das Thema Komfort im Faktenblatt zu diesem Zug an letzter Stelle, auch wenn Komfort in Nahverkehrszügen natürlich nicht das wichtigste Thema ist.

Quelle: ideenzug.deutschebahn.com

Universal Train Konzept

Der modulare Gedanke setzt sich noch weiter fort und das auch auf etwas komfortablere Weise: so kann nämlich ein gesamter Mittelteil des Zug mit 16 Sitzplätzen einfach zusammengeklappt und eingefahren werden! Ein Teil der Sitze verwandelt sich dann in eine Mittelinsel, die viel Platz zum Anhalten der stehenden Personen während der Fahrt bietet. Mit flexiblen Sitzen wie diesen kann sich die Fahrgastkapazität zukünftiger S-Bahnen um bis zu 40% erhöhen. Und in den Nebenverkehrszeiten findet man dann normale und bequeme Sitzplätze vor.

Quelle: ideenzug.deutschebahn.com

Multiflex-Sitze

Hier findet die Verwandlung von Sitzen aber noch kein Ende: sogenannte Multiflex-Sitze könnten in Zukunft bei vielen Fahrgästen in eine Bestuhlung entlang der Fensterfront wechseln, um wie in vielen U-Bahnen mehr Stehkapazitäten bei gleichbleibenden Sitzplätzen zu ermöglichen.

Community-Einstieg

Wird bei langläufigen S-Bahnen nur jeder zweite Einstiegsbereich benötigt, können die Einstiegsräume eines Einstiegs im Innenraum durch zusätzliche Sitzbänke und Klappsitze, die einfach ein- und ausgebaut werden können, tageweise ergänzt werden. Das nennt die Bahn Community Einstieg.

Quelle: ideenzug.deutschebahn.com

Der "Fußballmodus"

Auch zum Thema Bildschirm hat die Bahn noch so einige Kniffe in Petto: ein schon recht hochauflösender Screen im Glas zeigt von innen den Fahrplan an, kann aber für unterschiedlichste Zwecke verwendet werden, zum Beispiel auch, um ein Fußballspiel zu sehen. Und wo wir schon beim Fußballmodus sind: die aus LED-Panels bestehende Decke ist ebenfalls frei gestaltbar, beispielsweise auch in den Farben einer Fußballmannschaft. Die Empfindung, im Zug der eigenen Elf zu sitzen, könnte den ein oder anderen Fußballfan vielleicht auch von Vandalismus abhalten, vorausgesetzt natürlich, man zeigt ihm nicht die Tore der Gegner.

Der "Lounge"-Bereich

Am Ende des Zuges befindet sich der heutigen Zeit entsprechend ein Luftreiniger, der auch Möglichkeiten zum Anhalten bietet. Mit den rundherum angeordneten Sitzbänken könnte dieser Bereich der Ideale Treffpunkt für Gruppen sein.

Und die simulierte Sonne, die sogar der Uhrzeit entsprechend weiterwandert, erzeugt bei langen Tunnelfahrten ein Gefühl von Tageslicht.

Quelle: ideenzug.deutschebahn.com

Natürlich hat die Deutsche Bahn drängendere Probleme als ambitionierte Zugmodelle, die so wohl nie umgesetzt werden. Aber genau jetzt werden die Züge für das nächste Jahrzehnt entwickelt und designt. Bei diesem Prozess bedienen sich Aufgabenträger und Hersteller nun auch gerne am Ideenzug Konzept, aus dem dann einzelne Neuheiten in die Planung für künftige Züge übernommen werden. Und genau hierfür ist der Ideenzug als Plattform und Innovationstreiber wichtig.