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AT323 Salzburg und Umgebung
Obuslinie 8 künftig ohne Leitung, dafür Batteriebusse unter der brachliegenden Oberleitung

Obuslinie 8 – Das letzte Kapitel ein Finanzskandal mit Ansage?

[Presseaussendung, Informationsverbund]
von AIM

Eine Einordnung von Sebastian Krackowizer. Brisant wird es aber beim Thema Kosten - Ein Kilometer der Linie 17 wird mit 6,14 Euro abgerechnet. Was die Fahrleistung des Obus für einen Kilometer kostet wird in den Berichten nicht erwähnt ...

Obuslinie 8 – Das letzte Kapitel ein Finanzskandal mit Ansage?

Eine Einordnung von Sebastian Krackowizer.

Die Obuslinie 8 in ihrer derzeitigen Form im 10-Minuten-Takt von der Salzburgarena über Neue Mitte Lehen, den Festspielbezirk und das Zentrum nach Salzburg Süd wird am 30. April 2027 Geschichte sein.

Das wurde politisch in dieser Woche fixiert.

Alle Proteste aus der Bevölkerung halfen nichts. Der öffentliche Rundfunk blendete das Thema vollständig aus und auch die früher als unabhängig geltenden Salzburger Nachrichten geben nur die politischen Pressemeldungen wieder, ohne etwas zu hinterfragen.

Wie kam es zur Änderung der Obuslinie 8, die künftig auf oberleitungsfreien Strecken im teuren Batteriebetrieb über die General-Keyes-Straße und Guggenmoosstraße zum Hans-Schmid-Platz in Maxglan geführt wird, dann weiter über die Maxglaner Hauptstraße und Neutorstraße bis zum Hanusch-Platz und schließlich zum Hauptbahnhof? Werktags nur alle 15 Minuten, an Sonn- und Feiertagen alle 30 Minuten.

Mit dem sogenannten Nahverkehrsplan, der von der ÖVP für die Jahre 2023 bis 2027 erarbeitet wurde, sah ursprünglich die komplette Streichung der Obuslinie 8 vor. Die Kritik von Sebastian Krackowizer, dass es dann keine Direktverbindung mit einem Obus zwischen Hanusch-Platz und Hauptbahnhof geben würde, wurde folgendermaßen von den verantwortlichen Planern bei Stadt und Land kommentiert:

„Dann sollen die Fahrgäste halt über den Steg gehen, von der Theatergasse fahrt eh jeder Bus zum Bahnhof!“

Solche Aussagen sitzen tief und zeugen von wenig Kompetenz bei der Planung und mangelndem Verständnis für die Bedürfnisse der Fahrgäste.

Man hat die Kritik dann aber doch aufgenommen und die neue Linie 8 ins Konzept eingebaut, genau so, wie sie ab 1. Mai 2027 fahren soll.

In weiterer Folge kam dann der Protest aus Lehen, dass die Neue Mitte Lehen dann gar keine direkte Zentrumsverbindung mehr hätte. Allen politischen Parteien kam das Thema vor der Gemeinderatswahl im Frühjahr 2024 Recht und nach einem Machtwort des damaligen ÖVP-Bürgermeisters Harald Preuner sowie einem Schulterschluss aller Parteien, kam die Ansage „Die Obuslinie 8 bleibt!“. Super, oder?

Falsch gedacht. Nach der Wahl wirft man Versprecher über Bord und die Forderung der Politik an die zuständigen Planer, die Obuslinie 8 zu erhalten, wurde aufgeweicht. Es wurde nur noch eine Verbindung gefordert. Ein Obus musste es nicht mehr sein. Gerade die grüne Bürgerleiste zeigt hier wenig Feingefühl fas umweltfreundliche Verkehrsmittel Obus, das Salzburg seit bald 86 Jahren begleitet.

Zwischenzeitlich war auch der S-Link durch die Bürgerbefragung zu Fall gebracht worden und die Stadtpolitik war gefordert, v.a. der neue SPÖ-Bürgermeister, einen Plan B zu präsentieren.

Der große Wurf ...

Als großer Wurf wurde die Shuttle-Linie 18 zwischen Messe und Hanusch-Platz mit nur einem Zwischenstopp an der Strubergasse präsentiert. Albus wird die Linie betreiben, die Politiker grinsen in die Kameras, der ORF berichtet groß. Die Kritik von Sebastian Krackowizer an der neuen Linie kam prompt, der Bürgermeister war erbost. Wer sollte Recht behalten? Die Erfahrung natürlich. Die Linie 18 war ein Mega-Flopp. Kaum Fahrgäste, kaum Pendler, die vom P+R-Parkplatz in den Bus umsteigen wollten. Doch was soll man jetzt machen? Albus hat einen Vertrag mit der Stadt und die Kilometerleistungen sind bestellt.

Es kam die nächste Idee von der Stadt: Lasst uns die Linie 18 – die nix taugt – mit der Linie 17 (Zentrum – Rennbahnsiedlung) zusammenlegen und bis zu den Ursulinen verlängern. Gesagt, getan. Albus bekommt seine Kilometer und man fährt bis zu den Ursulinen an der Stadtgrenze zu Elsbethen/Glasenbach. Endlich mal eine umsteigefreie Verbindung von Aigen in die Alpenstraße zu schaffen, das kam den Verantwortlich natürlich nicht in den Sinn.

Ab Ende Februar 2026 wurde langsam öffentlich, dass die Verkehrsexperten der Stadt an ihren Planungen zur Obuslinie 8 nichts ändern würden und man die Neue Mitte Lehen ja zukünftig auch mit der Linie 17 bedienen könnte. Schwupps, wird die Linie 17 ab Mai 2027 wieder angepasst.

Dann nehmen wir halt größere Fahrzeuge ...

Die Linie 8 hat Obusse mit einem Fassungsvermögen von ca. 160 Fahrgästen, in die Busse der Linie 17 passen etwa 80. Diese Kritik nimmt der Bürgermeister ganz locker. Wenn die Busse zu klein sind, dann nehmen wir halt größere oder fahren öfter. So in etwa kann man ihn zitieren. Kostet das alles nichts?

Er scheint dabei auch nicht bedacht zu haben, dass größere Fahrzeuge gar nicht von der Karolinenbrücke in den Ignaz-Rieder-Kai abbiegen können, oder gar durch die Überfuhrstraße passen. Darauf wurden auch die Planer im entsprechenden Ausschuss am 16. Juli angesprochen. Die Karolinenbrücke werde umgebaut und das Abbiegen dann ermöglicht, so die sinngemäße Antwort. Doch wann ist die neue Brücke fertig und was ist im weiteren Verlauf der Linie mit der Überfuhrstraße?

Kein Kommentar. Natürlich, da steht man dann mit der Argumentation wieder an.

Die neue Route der Linie 17 soll den Fahrgästen von der Neuen Mitte Lehen ins Zentrum ganze 2 Minuten ersparen. Das ist super, wie auch der Vizebürgermeister Dankl im Gemeinderat am 15. Juli betonte.

Aber, die Fahrzeit von der Messe bis ins Zentrum verlängert sich dadurch um ganze 4 Minuten. Dies bestreitet der federführende Magistratsbedienstete und meint, es wären nur 2.

Die Rechnung ist aber einfach. Bislang hält der Bus an den Haltestellen Fasaneristraße, Schule Lehen, Gaswerkgasse und Strubergasse. Die Fahrzeit dafür beträgt 4 Minuten. Zukünftig sind es die Haltestellen Fasaneriestraße, Thomas-Bernhard-Straße, Neue Mitte Lehen, Esshaverstraße, Kuenburgstraße, Stadtwerk Lehen und Strubergasse. Dafür soll laut Experten der Bus nur 2 Minuten mehr Zeit benötigen? Unmöglich zu schaffen. Allein zwischen Neue Mitte Lehen und Esshaverstraße sind im Fahrplan 3 Minuten eingeplant.

Brisant wird es aber beim Thema Kosten, Geld, der Marie, dem schnöden Mammon:

Ein Kilometer der Linie 17 wird mit 6,14 Euro abgerechnet. Für einen 10m-Bus und einem Fassungsvermögen von 80 Menschen nehmen wir das mal als aus dem Amtsbericht gegeben an. Was die Fahrleistung des Obus für einen Kilometer kostet wird in den Berichten nicht erwähnt.

Im Ausschuss kamen aber 9 Euro zur Sprache – Tendenz fallend, wie der Experte ausführte, denn es gäbe Optimierungen. Vermutlich meint der damit die Abschreibung der Oberleitungen, die auf viele Jahrzehnte eine Investition in die Zukunft waren.

Bei diesen Kosten stellt sich mir dann die Frage: Warum fährt man mit dem Obus in Zukunft eine Strecke ohne Oberleitung im Batteriebetrieb, die deutlich länger ist als bisher und gleichzeitig mit dem Batteriebus von Albus unter der brachliegenden Oberleitung, wenn der Albus doch um 50 % billiger ist? Wäre es nicht angebracht, mit Blick aufs Steuergeld, die Routen des Obus so kurz wie möglich zu halten und dafür den Albus durch die General-Keyes- und Guggenmoosstraße zu schicken?

Der Bürgermeister setzt in Zukunft auf Batteriebetrieb und will keine Oberleitungen mehr sehen, weil das nicht zeitgemäß wäre. Er verschließt sich dabei aber der Realität. Städte in der Schweiz setzen vermehrt auf Oberleitungen, Innsbruck baut wieder einen Betrieb auf, weil es dauerhaft sinnvoller ist und selbst in China kehrt der Obus zurück. Die Oberleitungen mögen hässlich sein, etwas energieeffizienteres und umweltschonenderes, wie den Obus, wird Salzburg aber nie mehr bekommen. Ein Obus ist teuer, hält aber sehr lange. Wann kann man die Batteriebusse wegwerfen und wie entsorgt man die Batterien umweltverträglich?

Der Bürgermeister wirft in der Gemeinderatssitzung jemandem (vermutlich bzw. ganz sicher bin ich gemeint) vor, einen Skandal zu wittern, wenn kein Obus fährt etc. Ich wittere hier eher die Verschwendung von viel Steuergeld, was auch ein Skandal ist.

Eventuell muss das der Bürgermeister dann einmal dem städtischen Rechnungshof (Kontrollamt) erklären, warum der mutmaßlich teurere Obus ab Mai 2027 mehr Kilometer durch Batteriebetrieb auf oberleitungsfreien Strecken leisten muss als der unter der brachliegenden Oberleitung fahrenden Albus, der doch um einiges billiger wäre.

Ein Finanzskandal mit Ansage? Ich habe den Eindruck, ja! Ein Umweltskandal ist es jedenfalls ganz sicher.

Eine Einordnung von Dipl.-Kfm. Sebastian Krackowizer.