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Regional-Stadtbahn-Tunnel Karlsruhe eröffnet - Vorbild für Salzburg

16. Dezember 2021, 16:00 Uhr von Richard Fuchs

Foto: SWR | Endlich ist sie fertig. Die Karlsruher Kombilösung wird am 11.12.2021 nach zwölf Jahren Bauzeit eingeweiht. Wir stellen Ihnen die Macher des Jahrhundertbauwerks vor. Was Salzburg daraus lernen kann.

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Das „Karlsruher Modell“ als Vorbild für Salzburg

Im Grunde ist die Idee „Karlsruher Modell“ relativ einfach. Es gibt mehrere Eisenbahnverwaltungen die zusammenarbeiten und eine ganze riesige Region mit einem System an Zweisystem-Triebwagen überziehen, mit denen die Fahrgäste umsteigefrei aus der Metropol-Region mitten in die Stadt fahren können. Umsteigefrei mit einer einzigen Fahrkarte, ohne Parkplatz-Suche, machen den öffentlichen Verkehr derart attraktiv, dass die Fahrgast-Nachfrage innerstädtisch an die Kapazitätsgrenze getrieben wurde, ja geradezu explodiert ist, so dass nun auch in Karlsruhe ein Innenstadt-Tunnel gebaut werden musste, der am 11.12.2021 in Betrieb genommen wurde.

Historisch gesehen in Salzburg nichts Neues!

In Salzburg und Bayern hat es das alles vor über 110 Jahren schon einmal gegeben. Damals, als noch Petroleumlampen die Häuser und Gaslicht die Straßen beleuchteten, sowie die Dampflokomotiven die Eisenbahnzüge zogen, beschlossen die Königlich Bayerischen Staatsbahnen und die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft gemeinsam einen grenzüberschreitenden Eisenbahnbetrieb mit bauartgleichen elektrischen Triebwagen von Salzburg bis zum Königssee zu betreiben und das auch noch mit einheitlichen Fahrkarten.

Links: historische Bilder Salzburger Lokalbahn: Gemeinschaftsbahnhof Lokalbahnhof Nord mit Ischlerbahn-Zug abfahrbereit links und Salzburger Lokalbahn-Beiwagen abgestellt rechts. Dieser Blickwinkel war in Film "Der kleine Grenzverkehr" zu sehen. Mitte: historische Aufnahmen Rote Elektrische Rechts: historische Aufnahmen Rote Elektrische

Am 1. Juli 1909 wurde der durchgehende zwischenstaatliche salzburgisch – bayerische Betrieb mit einer einheitlichen Fahrzeugtype fahrplanmäßige Verkehr aufgenommen. Als 1914 auch auf der Bahnstrecke Freilassing – Berchtesgaden der elektrische Betrieb aufgenommen wurde, konnte man nahezu durchgehend elektrisch rund um den Untersberg umweltfreundlich, weil abgas- und rauchfrei unterwegs sein. Damals waren die Begriffe „Umweltschutz“, „Klimaschutz“ und „Elektro-Mobilität“ noch völlig unbekannt, obwohl das bereits tagtäglich gelebte Praxis war. Ein kombinierter system- und staatsgrenzenüberschreitender Verkehr hatte es mit den Südlinien der Salzburger Lokalbahn durch die Stadt Salzburg schon einmal erfolgreich gegeben und war vom Volksmund „Rote Elektrische“ bezeichnet worden. Dieser wurde mit der Zerstörung im Oktober 1938 durch das Hitler-Regime unterbrochen.

Karlsruhe baute Stadtbahn-Tunnel aus Kapazitätsgründen, die sog. „Kombilösung“

Ein Karlsruher Bürger erzählte einen Witz über die Stadt und die vielen Straßenbahnen und Stadtbahnen in der Kaiserstraße: „Jemand ruft in der Kaiserstraße seinem Freund auf der anderen Straßenseite zu und fragt, wie bist Du hinüberkommen. Der andere sagte knapp, ich bin hier aufgewachsen“. Nun ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber die Straßenbahnen und vor allem die Stadtbahnen aus der Region fuhren in derart dichtem Intervall, dass die Stadtväter zwei Volkabstimmungen zum Thema „Innenstadt-Tunnel Karlsruhe“ durchführen ließen.

Links: Kaiserstraße in Karlsruhe, AVG 841 Mitte: Der Albtalbahnhof in Karlsruhe, einige 100m vom Hauptbahnhof entfernt, ist der Ausgangspunkt der AVG-Albtalbahn, der Stammstrecke nach Bad Herrenalb. In ICE-Lackierung wirbt die AVG für die Bahn von der Region in die City. Rechts: Kaiserstraße in Karlsruhe, AVG 836

Der erste Bürgerbescheid am 20.10.1996, der nur unter den Bürgern der Stadt durchgeführt wurde, wurde mit dem Hauptargument abgelehnt, „wir haben ohnehin eine Straßenbahn“, ohne die Zugdichte zu berücksichtigen. Der zweite Bürgerentscheid „City 2015“ der auch die Umlandgemeinden in der Metropolregion umfasste, ließ die Bürger über die sog. „Kombilösung“ abstimmen, mit einem Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße und einer Tunnel-Stichstrecke Richtung Kriegsstraße, sowie der Umbau der Kriegsstraße mit einem Straßentunnel und oberirdischen Straßenbahnlinien. Zusätzlich sollte es eine schienenfreie Fußgängerzone zwischen Europaplatz und Kronenplatz geben. Vermutlich weil die Karlsruher Bürger mehr am Straßentunnel in der Kriegsstraße interessiert waren, als am Stadtbahntunnel, ging dieser Bürgerbescheid mit 55,55% Zustimmung relativ knapp aus. Der Autotunnel dürfte Anfang 2022 den Betrieb aufnehmen. Wie die vielen Interviews zur Eröffnung des Stadtbahn-Tunnels erkennen lassen, dürfte die Skepsis und die Gegnerschaft relativ groß gewesen sein, was die ziemlich knappe Volksabstimmung mit 55,55% Zustimmung zeigt.

Bild Links: Stadtbahn Karlsruhe Bad Wildbad Ortsdurchfahrt. Bild Mitte: Albtalbahnhof Karlsruhe. Bild Rechts: Stadtbahn Karlsruhe Bad Wildbad Ortsdurchfahrt.

Eröffnung des Karlsruher Stadtbahn-Tunnels war am 11.12.2021

Da es sehr viele Berichte über die Karlsruher Kombilösung im Internet gibt, sollte das Projekt hier nicht im Detail beschrieben, sondern auf die vielen Links verwiesen werden. Besonders die Berichterstattung über die Eröffnung ist beachtlich:

Vermutlich wird es im SWR in der Sendereihe Eisenbahn-Romantik demnächst weitere Berichte über das Karlsruher Modell mit dem Innenstadttunnel geben.

Der Vater des „Karlsruher Modelles“ Dir. Dipl.-Ing.Dr.tech. Dieter Ludwig und Salzburg

Eines war dem 2020 verstorbenen Vater des „Karlsruher Modelles“ Dir.Dr.Ludwig nicht mehr vergönnt, nämlich die Eröffnung des Karlsruher Innenstadt-Tunnels mit zu erleben. Dir. Ludwig war ein guter Freund vom ehem. Direktor der Salzburger Lokalbahn und daher ein guter Kenner des Meinungsbildungsprozesses über die Lokalbahn-Verlängerung durch die Stadt.

Dir. Dipl.-Ing.Dr.tech. Dieter Ludwig, Regionalstadtbahn Karlsruhe, Karlsruher Modell.

Dir. Ludwig war persönlich gut mit dem Salzburger Lokalbahn-Direktor Mackinger befreundet. Als dieser Gemeinderat der Stadt Salzburg war, organisierte Mackinger zur Jahrtausend-Wende eine, das war wohl der Grund für die Fahrt nach Karlsruhe, eine Exkursion der Salzburger Stadtregierung und der Verkehrssprecher der Parteien zur Stadtbahn in Karlsruhe. Dort wurde natürlich auch über das Thema „Lokalbahnverlängerung Salzburg“ gesprochen. Dabei hat Dir. Ludwig, der als ausgesprochener Verfechter des Systems „Straßenbahn“ gegolten hat, gemeint, „In allen Städten Europas bietet sich an, Straßenbahnen oberirdisch fahren zu lassen; nur in Salzburg braucht man den Tunnel, weil oberirdisch kein Platz gefunden werden kann“. Eine Gruppe von Straßenbahn-Fanatikern in Salzburg konnte Ludwig einreden, dass sehr wohl Platz für eine Straßenbahn sei. Als Dir. Ludwig bemerkt hat, dass das nicht stimmen kann und die Straßenbahn-Diskussion kontraproduktiv jede Entwicklung verhinderte, zog er sich aus der Diskussion in Salzburg zurück.

Bei den 25. Horber Schienentagen 2007 erklärte Dir. Ludwig dem Vertreter der Aktionsgemeinschaft Rote Elektrische in Salzburg: „Herr Fuchs, wenn Sie in Salzburg den Innenstadttunnel für die Lokalbahnverlängerung bekommen, müssen Sie bereits ein S-Bahn-Konzept für alle Zulauf-Bahnstrecken Richtung Salzburg haben, weil dann alle Bürgermeister kommen und fragen werden, wann kommt der Zug in unsere Gemeinde?“. Das war übrigens auch eine der Gründe, warum sich der Verein in „S-Bahn Salzburg“ umbenannt hat, der dann 10 Jahre so genannt wurde. Tatsächlich weitete sich der Arbeitsbereich des Vereines auf den gesamten Zentralraum Salzburg mit den angrenzenden Bereichen Bayern und Oberösterreich aus. Heute heißt der Verein, sich der Wurzeln besinnend, wieder Verein „Die Rote Elektrische“.

Im Jahr 2009 wurde in der Wendeanlage des Salzburger Lokalbahnhofes beim Hauptbahnhof ein symbolischer „Tunnelanschlag“ zelebriert, zu dem, neben Verkehrs-Stadtrat Padutsch auch der Karlsruher Direktor Dr. Ludwig anwesend waren. Damals ließ Ludwig anklingen, dass Karlsruhe mittlerweile nachgewiesen hat, dass die Nachfrage innerstädtisch so groß geworden ist, dass ein Tunnel schon aus Kapazitätsgründen notwendig wird.

Collage: Symbolischer Tunnelanstich Richtung Mirabellplatz im Salzburger Lokalbahnhof.

Die Parallelen zwischen Karlsruhe und Salzburg

Karlsruhe hat (2019) rund 313.000 Einwohner und die Metropolregion Karlsruhe ca. 2,4 Millionen (2017) Einwohner. Salzburg hat (2019) rund 155.000 Einwohner und der Zentralraum ca. 1,6 Mio. Einwohner. Eine Grenze mit einem Nachbarstaat, konkret Frankreich, ist von der Stadt Karlsruhe etwas weiter entfernt, während die Staatsgrenze zu Deutschland unmittelbar an der Stadtgrenze von Salzburg liegt. In beiden Regionen reichen die täglichen Pendlerströme weit über die genannten Staatsgrenzen hinaus. Karlsruhe ist, genauso wie Salzburg, ein überregionaler Bahnknoten. Das entscheidende Kriterium aber war ursprünglich das Vorhandensein einer „nicht bundeseigenen Eisenbahn“ (österr. „Privatbahn“) als eine Art „Überland-Straßenbahn“ oder jüngster Begriff „Regionalstadtbahn“. In Karlsruhe wurde die „Albtalbahn“ zum mittlerweile umfangreichen Stadtbahn-Netz ausgebaut. In Salzburg ist die „Salzburger Lokalbahn“, ebenfalls eine Stadtbahn, die nur im Güterverkehr eine vollwertige Eisenbahn ist.

Karlsruher-Triebwagen mit Bistro und WC der AVG in Salzburg Itzling bei der Salzburger Lokalbahn - 1996.

Analog zur „Lokalbahn rund um den Untersberg“ vor über 100 Jahren müssen Politik und die Eisenbahn-Verkehrsunternehmen vernetzt denken und planen, ein gemeinsames S-Bahn-Netz mit TramTrain-Fahrzeugen (Regionalstadtbahn, Light Rail Transit System) mit dem pulsierenden Herzstück Innenstadt-Tunnel zu realisieren. Da der Innenstadt-Tunnel gerne von Medien und Bahngegnern negativ als „U-Bahn“ bezeichnet werden, hat das Land Salzburg, das den Regionalstadtbahn-Innenstadttunnel mittlerweile ganz offiziell realisieren wird, den Kunstbegriff „S-Link“ geschaffen, um dazu eine unaufgeregte positiv besetzte Bezeichnung zu finden. Hoffentlich wird damit die emotionsgeladene Diskussion der Sachlichkeit zurückgebracht.

In Karlsruhe, vermutlich in ganz Deutschland, wird der Begriff „U-Bahn“ positiv besetzt und unterstreicht den Stolz der jeweiligen Stadt, so ein hochwertiges Nahverkehrs-System zu haben. In der Stadt Karlsruhe, in der bisher immer akribisch darauf geachtet wurde, das „Karlsruher Modell“ konsequent „Stadtbahn Karlsruhe“ zu benennen, wird seit der Eröffnung des Innenstadt-Tunnels am 11.12.2021 von der Karlsruher Bevölkerung, voller ehrlichem Stolz, von der „U-Bahn Karlsruhe“ gesprochen.

Siegerprojekt der Architekten dunkelschwarz ZT OG wurde von hochkarätig besetzter Jury einstimmig bestgereiht.

In Salzburg ist die Projektgesellschaft Regionalstadtbahn Salzburg GmbH. dabei den Innenstadttunnel durch die Salzburger Altstadt zu planen und 2023 mit dem Bau zu beginnen! Die Architektengruppe „dunkelschwarz“ aus Salzburg hat den Architektenwettbewerb für die unterirdischen Stationen des S-Link gewonnen und die Station „Mirabellplatz“ durchgestylt. Der ambitionierte Projekt- und Bauphasenplan für den „S-Link“ seitens des Landes Salzburg sieht folgende Meilensteine vor:

• 2023 BAUBEGINN des Innenstadt-Tunnels • 2025 Eröffnung des S-Link bis zum Mirabellplatz • 2027 Eröffnung des S-Link bis Hallein

Angesichts dieses Zeitplanes hat das Verkehrsforum Berchtesgadener Land & Rupertiwinkel den Politikern im angrenzenden Bayern vorgeschlagen, zeitgleich zum S-Link bis Hallein eine Abzweigstrecke von Anif über Berchtesgaden und zum Königssee als „Neue Königsseebahn“ zu bauen. Der Realisierungshorizont hat 10 Jahre bis zur Inbetriebnahme.

Königseebahn Webseiten-Banner

Bei der Präsentation der Sieger des Architekten-Wettbewerbes „Station Mirabellplatz“ wurde Verkehrs-Landesrat Mag. Stefan Schnöll vom Verein „Die Rote Elektrische“ auf den ambitionierten Bauphasen-Plan und evtl. Verzögerungen angesprochen. Landesrat Schnöll stellte mit Nachdruck klar, dass er keine Bauverzögerung dulden werde, wenn nicht gerade ein wirklich schmerzlicher Grund vorliegt, weil jede Verzögerung bei einem Projekt mit ca. 600 Millionen Euro gleich in viele Millionen geht.

In Karlsruhe, genauso wie in Salzburg gibt es Gegner, die um der puren Gegnerschaft willen (Widerspruch als Selbstzweck) und ohne Alternativkonzepte zur Stauvermeidung, den Schienenpersonen-Nahverkehr bekämpfen. Mit der Inbetriebnahme des Innenstadt-Tunnels in Karlsruhe am 11.12.2021, nach allen Schwierigkeiten, schmilzt die Phalanx der Gegner. Da ist Karlsruhe Salzburg voraus und die Salzburger Verkehrsinitiativen können derzeit nur neidvoll nach Karlsruhe schauen.


Medienberichte:


Videos zum Thema:


Informationen zum Projekt Regional-Stadt-Bahn Salzburg mit Innenstadt-Tunnel finden Sie auf folgenden Webseiten:


Aktuelle Information zum S-LINK: