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Region
AT224 Oststeiermark
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Neue Gleichenberger Bahn
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Steiermark Bahn (StB)

Verhöhnt als „Dschungel-Express“ und unter Wert geschlagen

15. September 2021, 19:00 Uhr von AIM

Eigentlich hätte es heuer ein 90-Jahr-Jubiläum für die „Lokalbahn Feldbach – Bad Gleichenberg", be­trie­ben von den StB, in der Südost-Steiermark geben müssen. Ziemlich genau eine Handvoll Politiker will die Bahn loswerden, weil sie den ...

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Gleichenberger Bahn

Verhöhnt als „Dschungel-Express“ und unter Wert geschlagen, die „Gleichenbergerbahn“ Feldbach – Bad Gleichenberg 1931-2021

Eigentlich hätte es heuer ein 90-Jahr-Jubiläum für die „Lokalbahn Feldbach – Bad Gleichenberg", be­trie­ben von den Steiermärkischen Landesbahnen, in der Südost-Steiermark geben müssen. Ziemlich genau eine Handvoll Politiker will die Bahn loswerden, weil sie den Wert der Bahn nicht erkannt haben und versucht das mit dem Etiketten-Schwindel „Tou­ris­mus­bahn“ der Bevölkerung unterzujubeln. An ein Jubiläum ist gar nicht zu denken, weil nicht alle den Weitblick haben.

Die „Gleichenbergerbahn“ ist viel besser als ihr Ruf!

Diese Bahn ist seit 90 Jahren ihrer Zeit voraus! Sie wurde 1931 sofort als elektrische Nahverkehrsbahn über 21,21 km in eine landschaftlich reizvolle Gegend gebaut und fährt seit damals umweltfreundlich, weil abgasfrei, klimaneutral zur Zufriedenheit der steirischen Bevölkerung. Damals war dem Kurort Bad Glei­chenberg, der für die Heilung von Luft- und Atemwegen, bzw. Lungenleiden wirbt, völlig klar, dass das nicht mit rauchenden Dampflokomotiven und stinkenden Autos geht, die damals allerdings noch rar wa­ren.

Die „Gleichenbergerbahn“ von Anfang an mit Elektromobilität

Ab 1904 auf der Stubaitalbahn und 1907-1909, mit der „Roten Elektrischen“ in Salzburg, 1910 mit der Mit­tenwaldbahn in Tirol und Bayern bzw. 1911 auf der Mariazellerbahn, zog das Zeitalter der Elek­tro­mo­bilität in die jeweiligen Gegenden ein. Dem Weitblick der Verantwortlichen in Bad Glei­chen­berg damals ist es zu danken, dass die „Lo­kalbahn Feld­bach - Bad Gleichenberg“ sofort 1931 von An­fang an mit abgasfreien um­welt­freund­lichen elek­tri­schen Gleichstrom-Trieb­wa­gen betrieben wur­de. Heute träumen so manche küm­merlich dahin düm­pelnden Regionalbahnen von der Elektrifi­zie­rung und vom Aufstieg ins Zeitalter der Dekarbonisierung.

In der Südost-Steiermark träumen einige we­ni­ge, vermeintlich am „Schalthebel“ sitzende Politiker von der Rückkehr in die fossile ab­gastreibende Ver­kehrs-Steinzeit! Man kann das gar nicht wirklich glauben!

Verhöhnung der Bahn und der Bevölkerung als „Dschungel-Express“

Die „gute, alte Propaganda“ versucht die Bahn abwertend und herabwürdigend als „Dschungel-Express“ zu diffamieren. Die Bahn und die Landschaft sind weder ein Urwald, noch sind die Einwohner „Wilde“ und bekanntlich wurde noch niemand von Schlangen und Leoparden gefressen! Auch der aufrechte Gang ist dort ortsüblich. Es herrscht ein Ideen-Reichtum an Propaganda-Namen, eben „Dschungel-Ex­press“ oder eine „kontinentale Route Sixty-Six“, von Amerika abgekupfert, oder an einen Vulkan er­in­nernd, der bald ausbricht. Warum erinnert man sich nicht an einen „Luftkurort“ Bad Gleichenberg an die Schönheiten der Gegend (Straden) und an einen Vorreiter der Elektromobilität, eben die Gleichen­ber­gerbahn?

Eine „Tourismusbahn“ kostet gleich viel, wie eine Pendlerbahn, nur gibt es kein Geld dafür!

Da die Bahn in der Bevölkerung äußerst beliebt ist, was einige vielleicht nicht hören wollen, trauen sich di­verse Po­litiker nicht offen von der „Einstel­lung“, „Still­legung“, „Zerstö­rung“ oder gar „Ver­nichtung“ der Glei­chen­­ber­­gerbahn zu spre­chen, weil sie doch nicht sicher sind, ob das die Bevöl­ke­rung bei der nächs­ten Wahl vielleicht doch nicht ver­ges­sen hat! So wurde der Etiketten-Schwin­del „Tourismusbahn“ er­funden und dabei vergessen, dass es Men­schen gibt, die Behauptungen durch­aus nach­kon­trollieren können.

Üb­ri­­gens ist es völ­lig unerheblich, ob die Bahn nur am Wochenende oder, besser, im Stundentakt die ganze Woche fährt. Die Betriebs- und In­standhaltungskosten sind in etwa gleich und niemand spart sich als „Tou­rismusbahn“ ir­gendetwas.

„Bus näher am Ort“ und „Bus billiger als Bahn“ ist widerlegbar!

So wurde das billige Vorurteil, der Bus fahre näher zu den Orten, gestreut. Nun, der Bus 415, fährt direkt an der Bahn, aber nur einmal an Schultagen und sonst gar nicht. Der ist als Alternative unbrauchbar! Der Bus 414 fährt ausschließlich an Schultagen (rund 200 pro Jahr) und Feiertagen. An allen anderen Tagen fährt, rich­tig, „nichts“! Das ist für „Touristen“ ebenfalls unbrauchbar. Die Linie 416 fährt gleich über­haupt wo­an­ders. Diese Linie fährt zwar in Feldbach und Bad Gleichenberg direkt durch den Ort, dann nur auf der omi­nösen „Route 66“ (Bundesstraße 66) und in einem anderen Tal von Maierdorf, Gnas und Traut­manns­dorf weit entfernt. Ein schlimmes Beispiel ist die Haltestelle „Klausen Abzw. Gossendorf“, die 3,5-4,5 Kilometer vom eigentlichen Ort Gossendorf entfernt liegt. Ob da jemand tatsächlich zu Fuß geht, müsste man mal re­cher­ieren! Von „Ortsnähe“ kann jedenfalls nicht die geringste Rede sein! Die Bus­linie 416 ist also ebenfalls als Alternative zur Gleichenbergerbahn unbrauchbar. Damit ist die Be­haup­tung eines bereits bestehenden Stun­dentakts absolut widerlegt.

Eine Buslinie ist grundsätzlich ein Minderheiten-Programm und ein Standard-Linienbus kann gerade ein­mal 50 Personen gleichzeitig befördern. Solange niemand auf die Idee kommt, zu versuchen, in großem Stil Leute vom Pkw auf den öffentlichen Verkehr bekommen zu wollen, reicht das „Restl-Essen Bus“ bei den genannten unzureichenden Fahrplänen (Regiobus 414, 415, 416) durchaus. Will man wirklich, was im Zeichen des Klimaschutzes dringend notwendig ist, Autofahrer in großem Stil auf den öffentlichen Ver­kehr bringen, braucht man Beförderungseinheiten, man könnte das „Transportgefäße“ nennen, die fern von 100 Fahrgästen pro Kurs transportieren können müssen. Ein gefahrener Kilometer Linienbus kos­tet, laut Bundesgremium Kraftfahrlinienverkehr, € 4,20. Ein Kilometer Regionalstadtbahn (Tram­Train), analog Salzburger Lokalbahn u.ä., liegt bei 5,- bis 7,- Euro! In einen TramTrain-Triebwagen, mo­der­ner Provenienz, kann man 150-250 Personen gleichzeitig befördern. Züge kann man kuppeln und bis zu 600 Personen, bei annähernd gleichen Kosten, befördern. Wollte man 150 Personen mit Bussen befördern, wür­de man drei Busse mit 12,60 Euro Betriebskosten benötigen, weil die sprungfixen Kosten für Personal und Fahrzeuge eben 4,20 x 3 = 12,60 bedeuten, im Vergleich mit dem Zug von rd. 7,-Euro! Dieselbe Rechnung müss­te man korrekterweise bei den drei parallel zur Gleichenbergerbahn fahrenden Buslinien 414, 415 und 416 machen. Würde man 600 Personen in Bussen befördern, müsste man 50 Euro pro Kilometer an Kosten veranschlagen! Das Märchen „Bus billiger als Bahn“ ist somit absolut widerlegt. Und dass er umweltfreundlich ist, ist ja auch schon widerlegt! Und dass man damit Fahrräder mitnehmen kann, auch.

Das Verschwinden aus dem internationalen Bewusstsein

Stellen Sie sich vor, sie wohnen in Kopenhagen, London oder Rom und wollen bewusst ohne Ihr Auto nach Gnas o­der Bad Gleichenberg öffentlich fahren. Von Montag bis Freitag können Sie bereits alles vergessen. Lun­genleidende sollten dann lieber nach Arosa fahren. Dahin fährt die Rhätische Bahn im Stundentakt:

An Samstag und Sonntag, wenn die Gleichenbergerbahn (noch) fährt, finden Sie tatsächlich unter www.raileurope.com die Relation Hamburg – Gnas und dort können gleich die Fahrkarten gekauft wer­den. Sie können auch „Burgfried bei Gnas“ wählen! Wenn Sie Lust auf Frust haben, und kolossal schei­tern wollen, probieren Sie die Fahrplan­aus­kunft für den Bus! In den internationalen Fahrplänen wird der Bus-Wirr-Warr nämlich nicht angezeigt!

Die verantwortlichen Politiker, die glauben ohne Gleichenbergerbahn auskommen zu können, müssen sich bewusst sein, dass die Orte und da­mit die ganze Re­gion aus den internationalen Kursbüchern und Fahr­plan-­Abfragen im In­ter­net verschwinden. Das ist nicht mehr mit dem aller­größten Wer­be­auf­wand und den eigenartigen Tafeln an der steie­ri­schen „Route 66“ auf­zuholen. Bad Gleichenberg läuft Gefahr, mehr und mehr in der Be­deu­tungs­lo­sig­keit zu verschwinden, weil immer mehr um­welt­bewusste Men­schen auf den Kauf eines eigenen Autos ver­zich­ten. Die­se Kun­den­grup­pe ist ohne die Bahn endgültig verloren, ein Stand­ort­nach­teil, der hin­künftig noch größer werden wird.

Wenn die Bahn verschwindet, verschwindet auch die Tourismusregion!

47% der Haushalte in der Bundeshauptstadt Wien haben ganz bewusst kein eigenes Auto mehr, weil der innerstädtische Nahverkehr eine so große Attraktivität hat, dass man grundlegend kein Auto mehr be­nötigt.

Weltweit boomt der Schienenverkehr und dabei auch die innerstädtischen Netze. An der Glei­chen­bergerbahn gibt es allen Ernstes diese paar Politiker, die eine bestehende umweltfreundliche Elek­tri­schen Bahn eliminieren wollen, die dabei völlig übersehen, dass sie damit die Mobilität der eigenen Re­gi­on für die Zukunft massiv (und hier wirklich „nachhaltig“) schädigen.

Bundesmittel für „Privatbahnen“ (Nicht Bundeseigene Eisenbahnen, NE-Bahnen)

Obwohl die „Steiermärkischen Landesbahnen“ StLB zur Gänze im Besitz des Landes Steiermark sind, gel­ten sie rechtlich als „Privatbahnen“ und werden nach dem „Pri­vatbahn-Gesetz“ behandelt! In diesem Ge­setz ist die Unterstützungsmöglichkeit des Bundes für In­fra­struk­tur-Investitionen bei den „Pri­vat­bah­nen“ zu 50% der Kosten verankert. Diese Bundesgelder für Infra­struk­tur-Maßnahmen der Privatbahnen sind in Fünf­jah­res-Blöcken im sog. MIP, dem „Mittelfristigen Inves­ti­tionsprogramm“ festgelegt. Not­wen­dig dazu ist, dass die Eisenbahnunternehmen konkrete Projekte, sei es Instand­­hal­tungs­maß­nahmen oder Neubauten, zeitgerecht vor Anlaufen der Fünf-Jahres-Programme (MIP 2015-2019, MIP 2020-2024, MIP 2025-2029) beim Verkehrsministerium einreichen müssen.

So oder ähnlich könnte der moderne Nahverkehr auf der Gleichenberger Bahn aussehen.

Die anderen 50% müs­sen allerdings von den Ländern, den Gemeinden und ggf. von der EU zusätzlich auf­ge­bracht werden. Für reine Tou­rismusbahnen gibt es keine Bundesgelder, wie die Achenseebahn leidvoll erleben musste! Of­fen­sicht­lich wurden in den letzten MIP-Perioden für die Gleichenbergerbahn keine ausreichenden Fördermittel mehr bean­tragt, weil sonst ja die laufende Instandhaltung der Bahn, be­son­ders nach Hochwässern, möglich ge­we­sen wäre, was bekanntlich nur unzureichend der Fall war!

Das Wegreißen der Bahn kostet die Gemeinden 16 Millionen Euro

Auch für das Wegreißen bzw. Zerstören der Bahn gibt es keine Bundesgelder. Für die pure mutwillige Ver­­nichtung von Volksvermögen zahlt der Bund natürlich nichts. Wie alle Erfahrungen bei den Zer­stö­run­­gen von Eisenbahnen gezeigt haben, ist für die Abtragung mit einem Wert von 75% der Kosten des Neubaus zu rech­nen. Das entspricht für die Vernichtung der 21,21 Kilometer Gleichenbergerbahn einem Kostenrahmen von rund 16 Millionen Euro oder einen Anteil von über 5 Millionen jeweils für die drei Gemeinden Bad Glei­chen­berg, Feldbach und Gnas! Für den Streit der Gemeinden um den jeweiligen Kilometeranteil kann man nur viel Glück wün­schen! Es ist wohl klar, dass im Zerstörungsfall der Rechnungshof informiert werden wird, weil für die sinnlos ausgegebenen 16 Millionen könnte die gesamte Strecke auf den modernsten Stand gebracht werden.

Über 500 Personen wollten bei der Sonderfahrt Ende August dabei sein, aus Kapazitätsgründen konnten nur 240 Fahrgäste mitgenommen werden. Ein kräftiges Zeichen der Bevölkerung für Ihre Bahn !

Ein Sonderzug signalisiert die Solidarität der Bürger zu ihrer Gleichenbergerbahn

Am 29. August 2021 fand eine sensationelle Sonderfahrt zwischen Bad Gleichenberg und Feldbach bzw. am Nachmittag retour statt. Von den über 500 angemeldeten interessierten Symphatisanten konnten in den bei­den verfügbaren Triebwagen und einem Mittelwaggon nur 240 Fahrgäste mitfahren. Man sprach davon, dass es ei­nen weiteren solchen Sonderzug geben soll. Dieser Sonderzug, überparteilich von FPÖ, SPÖ und Die Grü­nen, organisiert, war vermutlich das eigentliche 90-Jahr-Jubiläum der „Lo­kal­bahn Feldbach-Bad Glei­chen­berg“. Und ein klares Signal, dass die Bevölkerung den Erhalt der Bahn will! Ein Bilderbogen in www.in-motion.me wird diese Veranstaltung würdigen!



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Der Verein Neue Gleichenberger Bahn wurde aus gegebenen Anlass gegründet. Ziele: Erhalt der Bahn und historischen Fahrzeuge, Attraktivierung, Unterstützung des Betreibers und langfristig die Modernisierung der Bahn.