„Letzte Abfahrt“ von Bahnhofsvorstand und ÖBB-Betriebskontrollor Regierungsrat Ludwig Kokol †

10. Juli 2021, 18:00 Uhr von Richard Fuchs

Er war für Eisenbahn und Verkehrspolitik in Salzburg die Idealbesetzung für die Vorbereitung der Zukunft des Verkehrssystems „Eisenbahn“. Für die Verkehrsinitiativen war seine Gabe des „Zuhörens“ und des Verständnisses ein wirklicher Segen.

Vereine & Verbände
Austria-In-Motion
Fachbeitrag
Die Rote Elektrische
Club SKGLB
LR-Mattigtal
Verkehrsforum BGL & RW
ProBahn Inn-Salzach
Kundenbeirat Südostbayernbahn
info-icon
info-icon

Ein Bilderbogen von der Feier zur Ernennung zum Ehrenmitglied

ein moderner Eisenbahn-Pionier in Salzburg

Er war für die Eisenbahn und für die Verkehrspolitik so etwas, wie die Idealbesetzung für die Vorbereitung der Zukunft des Verkehrssystems „Eisenbahn“. Für uns als Verkehrsinitiativen war seine Gabe des „Zuhörens“ und des Verständnisses ein echter Segen. Dafür kann man gar nicht genug dankbar sein! Er war nicht der „Eisenbahnbeamte“, der seinen Betrieb verwaltete. Er war der Reformer, der die Eisenbahn, sowohl aus der Sicht des Betriebes ÖBB, als auch aus der Kundensicht, des Fahrgastes, modernisieren wollte und, wo es ihm möglich war, auch getan hat.

Gruppenfoto Tauernbahn-Museum Schwarzach: v.l.: Richard Fuchs "Die Rote Elektrische", Günther Gritsch Club Salzkammergutlokalbahn, RR Ludwig Kokol, Ing. Josef Weiser Verein S-Bahn, Josef Schmidinger "Die Rote Elektrische" & Tauernbahn-Museum, Dir. Gunter Mackinger vorm. SLB-Direktor, Alois Doppler ÖBB-Bahnhofvorstand Salzburg Hbf. vor der historischen ÖBB-Lokomotive Reihe 1020.

Das Ehrenmitglied der Aktionsgemeinschaft Rote Elektrische RR Kokol

Der „Herr Vorstand“ oder auch der „Herr Regierungsrat“, wie er genannt wurde, hatte auch für die „kleine Schwester der ÖBB“ die Salzburger Lokalbahn ein großes Ohr. Daher unterstützte er auch die Aktivitäten unseres Vereines „Aktionsgemeinschaft Rote Elektrische“. Seine bescheidene Art brachte uns vorerst eine Absage, als wir ihn zum Ehrenmitglied machen wollte, weil er meinte, nicht er hätte das verdient, sondern alle Mitarbeiter der Bahnen, die an deren Zukunft arbeiten.

Eines Tages im Jahr 2016 erinnerte sich der „Herr Regierungsrat“ an unser Angebot, ihn zum Ehrenmitglied machen zu wollen und meinte dann, es sei eine Ehre, wenn er das annehmen dürfte. Wir mussten die Ehre zurückgeben, weil es für unseren „Verein S-Bahn Salzburg“, wie wir mittlerweile geheißen haben, eine große Ehre ist, einen solchen großen Eisenbahner als Ehrenmitglied zu haben! So gestalteten wir eine Urkunde mit dem Motiv „seines Salzburger Hauptbahnhofes“ und überreichten ihm am 5. November 2016 die Ernennungsurkunde zum Ehrenmitglied in „seinem Tauernbahn-Museum“ in Schwarzach im Pongau, im Beisein seines Nachfolgers als Bahnhofsvorstand vom Salzburg Hauptbahnhof Alois Doppler und Gunter Mackinger, der die Laudatio hielt.

Die Ernennungsurkunde sollte an den früheren Wirkungsbereich von Bahnhofsvorstand Regierungsrat Ludwig Kokol erinnern und daher ist die Urkunde mit einem Foto von der Stahlhalle des Salzburger Hauptbahnhofes hinterlegt.

Ludwig Kokol verblüffte uns in seinem hohen Alter mit seinem Umgang mit den neuen Medien. So erhielten wir, nicht nur einmal, eMails der Aufmunterung für unsere Vereinsarbeit. So viel Lob und Anerkennung ist natürlich „die Nahrung für die Motivation“ für unseren Kampf für einen modernen Schienenverkehr, die uns selbstverständlich für unser Tun bestärkt. Dafür werden wir ewig dankbar sein. Er fehlt uns, wird aber immer in Erinnerung bleiben.

Ein Wegbegleiter und vermutlich echter Freund vom „Herrn Vorstand“ war Gunter Mackinger, der ehemalige Direktor der Salzburger Lokalbahn, der für uns freundlicherweise diesen nachfolgenden Nachruf gestaltet hat:

Nachruf mit Lebenslauf verfasst von Gunter Mackinger!

Am 8.Juli 2021 ist der Lebenszug von Regierungsrat Ludwig Kokol nach 92 Jahren zu seinem letzten Ziel abgefahren.

Ludwig Kokol hinterlässt uns nach einem erfüllten Leben viele Werke, die noch weit in die Zukunft seine Handschrift tragen werden. Ob ihm das schon in die Wiege gelegt war? Objektiv gesehen eher nein! Ludwig wurde am 22.11.1929 in die schweren Jahre zwischen zwei Weltkriegen hineingeboren. Schon früh an harte Arbeit gewöhnt war ihm trotz vielfältiger Interessen nur der Pflichtschulabschluss gegönnt, aber er ist jene Sorte von „Self-Made Man“ welche wir heute in unserer Gesellschaft oft schmerzlich vermissen.

Regierungsrat Ludwig Kokol

1945 trat Ludwig Kokol in den Dienst der neu erstandenen Österreichischen Staatsbahnen, den heutigen ÖBB: Ludwig Kokol lernte das Handwerk des Eisenbahners von der Pike auf – ob unter heute unvorstellbaren Rahmenbedingungen als Oberbauarbeiter oder Blockwärter, bald erkannten seine Vorgesetzten die Talente, die in diesem jungen und engagierten Eisenbahner steckten. Dem jungen Mann wurde die Fahrdienstleiter-Laufbahn ermöglicht , womit eine Weichenstellung – im wahrsten Sinn des Wortes – für ein ganzes Leben, vorgenommen wurde.

Der damalige Obmann des "Verein S-Bahn Salzburg" überreichte die Ernennungsurkunde und Geschenke, garniert mit so manchem Späßchen, an Regierungsrat Ludwig Kokol.

1954 heiratet Ludwig seinen Lebensmenschen, seine Anni, mit der er sich in Schwarzach ansiedelte und eine Familie gründete. Ludwig Kokol engagierte sich neben der Eisenbahn auch in der Gesellschaft – von 1978 bis 1994 war er z.B. Vizebürgermeister von Schwarzach. Ob im Beruf, in der Politik oder im Vereinsleben, Ludwig Kokol war kein Selbstdarsteller sondern immer dem gemeinsamen Ganzen verpflichtet und dem Abbau von Vorbehalten und Vorurteilen verbunden.

Sein Dienst bei der Eisenbahn führte Ludwig Kokol nach Stationen als Fahrdienstleiter, Bahnhofvorstand und Betriebskontrollor aus den Gebirgsgauen hinaus in die Landeshauptstadt. 1987 wurde er zum Vorstand des Bahnhof Salzburg Hbf. bestellt – eine damals äußerst anspruchsvolle und komplexe Tätigkeit zwischen Personalmanagement und Transportlogistik, Krisenmanagement und Verkehrspolitik. Als höchstrangiger Vertreter der ÖBB im Bundesland Salzburg war ihm der ganze Öffentliche Personen- und Güterverkehr ein Anliegen und er bekleidete sozusagen das Amt eines Katalysators in der Verkehrspolitik, lange vor Verkehrsverbund oder Nahverkehrskommission. Vorstand Ludwig Kokol war am Salzburger Hauptbahnhof omnipräsent. Als streng aber gerecht, war er bei allen Mitarbeitenden geschätzt und sein Wort war Gesetz. Höhepunkte seiner Tätigkeit war sicherlich – gemeinsam mit seinem ausgezeichneten Team von Betriebseisenbahnern - die Einführung von Österreichs erstem Taktfahrplan, dem NAT 91 und dessen vielfältigen Auswirkungen auf Salzburg

Zwei Generationen Bahnhofsvorstände des Salzburger Hauptbahnhofes, Alois Doppler und RR Ludwig Kokol

Auch nach seinem Übertritt 1994 in den Ruhestand konnte Ludwig Kokol nicht von „seiner“ Eisenbahn lassen. Es gelang ihm mit umtriebigen Kollegen und seinen politischen Kontakten das Tauernbahn Museum in der Nachbarschaft zum Bahnhof Schwarzach–St. Veit zu etablieren. Dieses hoch qualitative Eisenbahnmuseum ermöglichte Ludwig Kokol nicht nur weitere Jahrzehnte mit und für die Eisenbahn tätig zu sein, sondern darf auch mit Fug und Recht zu einem seiner ganz großen Lebenswerke gezählt werden.

Das Tauernbahn-Museum Schwarzach im Pongau mit typischen Original-Exponaten von der Tauernbahn Schwarzach bis Spittal an der Drau, wie Fahrleitungsexponate, die Lokomotiven im Außenbereich und jede Menge Schilder.

Das unvergleichliche Tauernbahn-Museum in Schwarzach im Pongau, das Regierungsrat Kokol immer ein großes Anliegen war, zeigt viele beeindruckende Original-Exponate.

Ein ganz großer Eisenbahner hat uns verlassen – danke lieber „Herr Vorstand“!

Gunter Mackinger