Dilemma „Eisenbahnen und Denkmalschutz“ - Teil 2 von 3

02. Mai 2021, 20:00 Uhr von Richard Fuchs

Denkmalloks auf einem Sockel sind eigentlich nur der verzweifelte Versuch, etwas am Leben zu erhalten, wie im Wolfsegger-Revier, das sonst den Weg allen alten Eisens gegangen wäre. "Lok-Leichen" wie auf der Achenseebahn geplant, sind Unfug!

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Eisenbahnen „leben“, indem sie fahren!

Presseinformation & offener Brief

So manche Denkmallok auf einem Sockel, wie vielfach im Wolfsegger Kohlenrevier, ist eigentlich nur der verzweifelte Versuch, etwas am Leben zu erhalten, das sonst den Weg allen alten Eisens gegangen wäre.

Im Wolfsegger Kohlerevier sind viele Kohlenbahn-Fahrzeuge am Sockel zu finden, u.a. in Thomasroith oder in Kohlgrube. In Scheiben sind sogar noch Museumszüge in Betrieb.

Erlebnisspielplatz im Lokpark Ampflwang lässt Kindern die Grubenbahnen, wie sie unmittelbar in der Umgebung Wolfsegger Kohlerevier in großem Stil vorhanden waren, erlebbar machen. Das ist erlebbarer Denkmalschutz, der für Kinder nachvollziehbar ist.

Wenn jemand sagt, „in Ampflwang“ steht viel Schrott herum“, hat er das Problem nicht verstanden. Die ÖGEG (Österr. Gesellschaft für Eisenbahngeschichte) hat teilweise „am Schrottgleis“ die allerletzten Vertreter ihrer Spezies stehen, die auf Renovierung durch die Mitglieder dieses rührigen Privatvereines warten!

Im Lokpark Ampflwang werden die historisch wertvollen Schienenfahrzeuge von der ÖGEG aufgearbeitet und wieder betriebsfähig gemacht. Nur "lebendige" Lokomotiven erhalten die historische Eisenbahn am "Leben".

Vieles ist vorbildlich aufgearbeitet aber es wartet doch noch einiges. Vieles was in Ampflwang steht, hat nur zwei Alternativen, entweder verschrottet oder neu aufgearbeitet zu werden. Bei der ersten Variante verschwindet unwiederbringlich und endgültig industrielles Kulturgut.

Wie es aussieht, wenn alles vorbildlich renoviert wird, kann man als Ergebnis auf der Museums-Tramway Mariazell sehen, wo schwerpunktmäßig das Thema „historischer Schienennahverkehr“ mit Straßenbahnen und Tramways erhalten geblieben ist, wiederum mit viel persönlichem jahrelangen Engagement!

Ein weiteres positives Beispiel ist das Engagement der Verantwortlichen eines Eisenbahn-Verkehrsunternehmens, das den Spruch gelebt hat „keine Zukunft ohne Herkunft“ und die jene historischen Fahrzeuge der „Roten Elektrischen“, der „Grünen Elektrischen“ und der „Gelben Elektrischen“ auf der Salzburger Lokalbahn Salzburg – Lamprechtshausen sogar einige unter Denkmalschutz stellen konnten!

Diese herausragende Einzelleistung ist genau der Lichtblick, dass das Bundesdenkmalamt erkennen möge, dass betriebsfähige historische Fahrzeuge die eleganteste Art von „lebendigem Denkmalschutz“ darstellen. Die Salzburger Lokalbahn hat die „Gelbe Elektrische“ und mehrere Fahrzeuge der Salzburger Dampftramway in Zusammenarbeit mit der Museumstramway Mariazell vorbildlich renoviert.

Wer heute einen historischen Originalzug der SETG, der „Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft“ aus der Zeit um 1900 vorbildlich erneuert sehen und erleben will, sollte den Weg mit der Mariazellerbahn nach Mariazell suchen und dort mit der Salzburger Dampftramway fahren!

Fast schon ungewohnt sind Fotos von den SETG-Dampftramway-Zügen der Salzburger Lokalbahn in Farbe. Man kennt sie eigentlich nur von den historischen Original-schwarz-weiß-Fotos. Die Museumstramway Mariazell machts möglich. Wer mitfahren will, sollte sich nach Mariazell auf den Weg machen! Links die Original-Lok "Hellbrunn" der "Salzburger Localbahn", rechts Originallok von der Wiener Dampftramway, jeweils bei Sonderfahrten auf der Salzburger Lokalbahn.

Das wirklich positive Beispiel im österreichischen Denkmalschutz ist die Tatsache, dass man dem Vorschlag der Unesco-Welterbekommission gefolgt ist, die Semmeringbahn, als eine der ersten Eisenbahnen weltweit überhaupt, zum Weltkulturerbe zu ernennen.

Die Semmeringbahn war die erste Eisenbahnstrecke, die unter Unesco-Weltkulturerbe gestellt wurde. Im Bahnhof Semmering befindet sich, neben einem kleinen Museum, eine Gedenkstätte an die Erbauer unter Carl Ritter von Ghega, die Unesco-Gedenktafel und der ÖBB-Dieseltriebwagen 5144.001 am Sockel. Sonderfahrt mit ÖBB-Oldtimer 4042-01 am 19. August 2016.

Die „Eisenbahnen“ als Lebensadern des Industriezeitalters

Das System „Eisenbahn“, mit allen seinen Facetten bis zu Feld- und Industriebahnen, hat das „Industriezeitalter“ erst ermöglicht! Zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert entstanden viele architektonisch wertvolle Objekte aus Industrie und Eisenbahn, die entweder den beiden Weltkriegen oder Partikularinteressen kurzsichtiger Verantwortlicher und deren Spitzhacken zum „Opfer fielen“. Dabei stellt sich die Frage, welche „Opfer“ hier „dargebracht“ wurden. Manche nennen das „blinde Zerstörungswut“ der die Denkmalämter auf Bundesebene und in den Ländern so gut wie nichts entgegenzusetzen haben, bzw. auch nicht dürfen, wie die Achenseebahn schmerzlich aufzeigt! Der Großteil der musealen Erhaltung des Kulturgutes „Eisenbahn“ wird ohne den Denkmalschutz, oftmals unter Aufbietung der letzten privaten finanziellen Mittel realisiert. Das ist eines Staates, der sich „Kulturstaat“ nennt, nicht würdig. Wenn sogar die Politik bewusst eine Bahn, wie die Achenseebahn, zerstören will und nur "gönnerhaft" eine Zugleiche auf den Sockel stellen will, dann ist das unerträglich, bestenfalls zum Fremdschämen und ein klarer Hinweis auf fehlendes Kulturverständnis.

Wenn ein Bundesland, wie Tirol, den Begriff „Kulturgut“ nicht versteht, muss unbedingt die Republik Österreich eingreifen und dem unseligen Treiben der Zerstörung der Achenseebahn ein Ende bereiten!