125 Jahre „Oberndorferbahn“ Salzburg - Oberndorf

22. Januar 2021, 15:30 Uhr von Richard Fuchs

Als 1818 das erste Mal das „Stille-Nacht-Lied“ in Oberndorf erklang, gab es von Salzburg aus noch keinen direkten Zugang durch das Weitwörther-Moor, aber die Glas-Industrie im Raum Bürmoos und Oberndorf benötigte einen guten Bahnanschluss.

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Als 1818 das erste Mal das „Stille-Nacht-Lied“ in der Kirche St. Nikola in der Altach in Oberndorf erklang, gab es von Salzburg aus noch keinen direkten Zugang durch das Weitwörther-Moor, nur per Zille über die Salzach oder zu Fuß über die Kaiserbuche. Auf der östlichen rechten Salzachseite war damals der Hauptort in der Altach, auf der linken Seite Laufen.

Correspondenzkarte von Oberndorf aus der Kaiserzeit

Eisenbahnkreuzung Oberndorf einst und jetzt

Die Industriebetriebe für die Glasverarbeitung im Raum Bürmoos und Oberndorf benötigten dringend einen Bahnanschluss und daher war die Kapitalbeschaffung für den Bau der SETG-Nordstrecke kein Problem. Am 1. April 1895 erhielt die SETG die Konzession für den Bau. Oberndorf und auch nicht Lamprechtshausen sollten die Endpunkte sein. Man wollte damals schon die Durchbindung ins Mattigtal und bis Braunau. Unter dem Begriff „Weilhartbahnen“ gab es über 100 Jahre, bis heute, Diskussionen um diese Durchbindung.

Vom Dampfbetrieb zur „Roten Elektrischen“ Betriebsaufnahme am 20. Jänner 1896

Zur Betriebsaufnahme am 20. Jänner 1896 standen zwei zweiachsige Dampflokomotiven Nr. 7 „Oberndorf“ und Nr. 8 „Bürmoos“ zur Verfügung. Später kam die Lok 10 „Weitwörth“ dazu. Die Brandgefahr der Dampfloks war der Grund für die ortsferne Bahntrasse im Bereich Anthering. Man fürchtete brennende Wohnhäuser. Damals war allerdings ein Fußweg von 15 bis 20 Minuten zum Bahnhof kein Problem.

Dampfbetrieb auf der Oberndorferbahn, der Nordlinie der Salzburger Lokalbahn: v.l. Anthering, Weitwörth, Oichtenbrücke

Elektrifizierung bis Bergheim

Als die Rote Elektrische mit modernen Überlandstraßenbahn-Triebwagen, heute würde man Regionalstadtbahn sagen, auf der Südlinie am 1. Juli 1909 den Betrieb aufnahm, war die Nordlinie, aufgrund des Güterverkehrs, noch die Domäne der Dampflokomotiven. Erst am 26. August 1923 begann der elektrische Betrieb zwischen Salzburg LB und „Maria Plain“. Am 15. Mai 1927 erreichte die Rote Elektrische Bergheim.

Satte 20 Jahre später kamen die elektrischen Züge am 4. Mai 1947 bis Anthering, am 16. November 1948 bis Oberndorf und letztendlich am 13. Jänner 1950 bis Lamprechtshausen. Diese Elektrifizierung fand also exakt vor 71 Jahren statt! Nachdem am 18. Mai 1952 die SAKOG-Bahn Bürmoos-Trimmelkam den Personenverkehr aufnahm, war die größte Ausdehnung der Roten Elektrischen erreicht, auch wenn damals schon Hangendenstein - Berchtesgaden fehlte!

Relativ unbeachtet von den Fahrgästen gab es von 1896 bis 1984 Postbeförderung zwischen Salzburg und Lamprechtshausen, sog. "Bahnpost" auf der Salzburger Lokalbahn. Dazu gibt es interessante philatelistische Belege für Briefmarkensammler. Zum Jubiläum 100 Jahre Salzburger Lokalbahnen 1886-1986 legte die Österreichische Post eine Sonderbriefmarke auf.

Rote Elektrische auf der Nordlinie, der Oberndorferbahn

Ein Schwarzmarkt-Abenteuer ermöglicht die Elektrifizierung!

Der frühere Betriebsdirektor der Salzburger Lokalbahn Ing. Wilhelm Staudinger erzählte von einem grenzwertigen Deal nach dem Zweiten Weltkrieg, zwischen ihm und einem Schwarzmarkthändler, der ihm blind einige Tonnen Kathodenbleche (Kupfer) verkauft hatte. Damit konnte die Fa. Siemens in Wien unter Ing. Philipp den Fahrdraht für die Oberleitung durch den Fürwag herstellen.

Damals war Salzburg in der amerikanischen und Siemens in Wien in der russischen Besatzungszone. Die Lieferung vom russischen Sektor war nur in den französischen nach Innsbruck möglich. So wurde der Fahrdraht im Güterzug nach Innsbruck am Zugschluss gereiht, in Gnigl illegal abgehängt und mit der Lokalbahn-Verschublok nach Itzling gebracht, was ein typisches Nachkriegs-Husarenstück war!

Bildimpressionen Nordlinie der Salzburger Lokalbahn über die Jahre, rechts Bahnhof Lamprechtshausen.
Rechts Waggons der Reihe 400 ex ÖBB-Beiwagen zur Reihe 5144 Wumag 7558.01, 03 bis 08 und 101 an SLB ab 30.4.1972

Hochwassermarken am Bahnhof Weitwörth

Da noch immer die Rillenschienen, der eingestellten „Gelben Elektrische“ herumlagen, wurden diese kurzerhand zu Fahrleitungsmasten zusammengeschweißt und nördlich von Anthering eingebaut. So konnte in Notzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg doch eine Bahnstrecke elektrifiziert werden!

Bildimpressionen Nordlinie der Salzburger Lokalbahn Fahrzeitgenerationen, links Bahnhof Anthering, rechts Fahrzeugparade Oberndorf.

Einstellung der Südlinien der Roten Elektrischen

Nord-Lokalbahnhof Salzburger Lokalbahn und SKGLB Ischlerbahn

Während man noch in den anfänglichen Fünfziger-Jahren moderne Vierachs-Triebwagen Reihe 30 beschaffte, zeichnete sich schon die nächste Katastrophe, in Person des Landeshauptmann Dr. Klaus ab, die Einstellung und Zerstörung der Südlokalbahnen durch die Stadt bis St. Leonhard. Mit der Einstellung der Südlinien der Roten Elektrischen am 31. Oktober 1953 verblieb die Rote Elektrische nur mehr auf der Nordlinie Salzburg – Oberndorf – Lamprechtshausen. 1982 versuchte der damalige Salzburger Bürgermeister Reschen die Lokalbahn den ÖBB nachzuwerfen, was den Tod der Bahn bedeutet hätte! Die „Aktionsgemeinschaft Rettet die Rote Elektrische“ konnte das 1982 in einer Unterschriftenaktion mit 14.400 Unterschriften aus der Region verhindern. Heute ist diese Gruppe die älteste aktive Verkehrsinitiative für den Öffentlichen Verkehr in Österreich und nennt sich aktuell Verein „Die Rote Elektrische“.

Moderner Regionalstadtbahn -Betrieb auf der Salzburger Lokalbahn, ein Vorbild für das gesamte Regionalstadtbahn-Netz im Zentralraum Salzburg

Von der „Roten Elektrischen“ zum Regionalstadtbahn-Netz mit Innenstadttunnel

Erwin Pamp rechts vom Verein "Die Rote Elektrische" erklärt dem Oberndorfer Bürgermeister Djundja die Idee Regionalstadtbahn, v.a. die Verlängerung Lamprechtshausen - Braunau

Ziel des Vereines „Aktionsgemeinschaft Rote Elektrische war ein Meinungsbildungsprozess zur Weiterentwicklung der „Roten Elektrischen“, der Salzburger Lokalbahn, zu einer innerstädtischen Regionalstadtbahn im Innenstadttunnel in den Süden. Mehr als 1.000 namentlich bekannte Wegbegleiter halfen mit, über 70 Kilo Gutachten zu erstellen, um letztendlich 2019 zum offiziellen Beschluss des Landes zu kommen, eine Projektgesellschaft Regionalstadtbahn Salzburg zu gründen, die dieses Konzept derzeit in die Realität umsetzt.

Mit der Inbetriebnahme der Stadtbahn-Gelenktriebwagen 1983 begann eine neue Ära der Roten Elektrischen, da in der Folge alle Brücken und der gesamte Gleis-Oberbau erneuert wurde. Spätestens zum Jubiläum Salzburger Lokalbahnen 1886-1986 gingen die Fahrgastzahlen durch die Decke, denn innerhalb von 10 Jahren haben sie sich mehr als verdoppelt. Nach der Eröffnung des unterirdischen Lokalbahnhofes 1996 und der Inbetriebnahme der letzten Tranche von vier Triebwagen 2001 wurde die Viermillionen-Grenze geknackt. Heute hat die Salzburger Lokalbahn rund 4,9 Millionen Fahrgäste pro Jahr bzw. rund 15.000 pro Tag.

Corona-bedingt schlichte Feier zum 125 Jahr-Jubiläum der Oberdorferbahn am 20. Januar 2020

Landesrat Mag. Stefan Schnöll reiste mit dem historischen Triebwagen MBC 3 nach Oberndorf an. Bürgermeister Georg Djundja links, Gerlinde Hagler Salzburg AG und Landesrat Schnöll, der die Lokalbahn unterirdisch durch die Stadt Salzburg Richtung Hallein bringen wird, bei ihren Grußworten am Bahnsteig im Bahnhof Oberndorf. Besprochen wurden die Modernisierungsschritte bei der Lokalbahn.

Am 20. Jänner 2020 luden Landesrat Schnöll und Oberndorfs Bürgermeister Djundja Medienvertreter und Verkehrsinitiativen zu einer schlichten Gedenkfeier am Bahnsteig des Bahnhofes Oberndorf. Bgm. Djundja erklärte die historische Lokalbahn als „Entwicklungsfaktor für den Ort Oberndorf.“

Chef und Betriebsleiter der Salzburger Lokalbahn ist Martin Laimböck, hier vor Triebwagen MBC 3. Landesrat Schnöll lud zu dieser kleinen Feier hier umringt von Medienvertretern.

SPÖ-Forderung zur Trassenverlegung zwischen Anthering und Fürwag

LAbg. Klausner SPÖ brachte im November 2020 einen Antrag im Salzburger Landtag ein. Zwischen Anthering (Leberersiedlung) und Fürwag soll die Lokalbahn zweigleisig ausgebaut werden. Gleichzeitig soll die Trasse ortsnah neben die Lamprechtshausener Bundesstraße hochwassersicher und begradigt verlegt werden. Damit würden die Zugangswege zum Bahnhof verkürzt und der Fahrplan beschleunigt werden.

Lokalbahnverlängerung als Regionalstadtbahn-Netz mit Innenstadttunnel

Der unterirdische Lokalbahnhof ist der Ausgangspunkt für das Herzstück des umfassenden Verkehrskonzeptes zur STAU-Minimierung in der Stadt Salzburg, dem Innenstadttunnel der Regionalstadtbahn, der 2025 bis Mirabell und 2027/28 bis Hallein in Betrieb gehen soll.

Seit fast 40 Jahren wird die unterirdische Lokalbahnverlängerung diskutiert. Mittlerweile wurde dieses Projekt ein offizielles Ausbauprogramm vom Land Salzburg. Der Baubeginn ist 2023. Die Inbetriebnahme bis zur Station „Mirabell“ ist für 2027 vorgesehen und 2027 oder 2028 bis „Hallein Hbf.“ Die Idee einer Neuen Königsseebahn wird bereits im Berchtesgadener Land diskutiert. Damit nimmt die „Vision“ von durchgehenden Zügen von Lamprechtshausen bis Berchtesgaden und Königssee realistische Dimensionen an!

Wann fährt der Triebwagen ET 51 "Berchtesgaden" von Lamprechtshausen auf die "Neue Königsseebahn" nach Berchtesgaden und zum Königssee? Hier im Bahnhof Oberndorf.