Klares Bekenntnis zur Umleitung von Bundesmitteln von der Achenseebahn zur Zillertalbahn

07. August 2020, 12:00 Uhr von Richard Fuchs

Selten genug bekennt sich ein Politiker so offen dazu, dass er Gelder widmungswidrig an ein anderes Bahnunternehmen abzweigt. Zeitungsartikel der TT liefern wertvolle Puzzleteile für die Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft.

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Presseinformation – offener Brief: 7. August 2020

Selten genug bekennt sich ein Politiker so offen dazu, dass er Gelder widmungswidrig an ein anderes Bahnunternehmen abzweigt. „Zufällig“ machen genau die vom Land Tirol, in einem Verschwörungsgespräch von LH-Stv. Felipe mit den Achenseebahn-Bürgermeistern am 16.2.2015 beschlossenen Finanzierungsboykott gegenüber der Achenseebahn 3,1 Mio Euro aus. Damit ist der Betrag aus den verweigerten MIP-Mitteln „zufällig“ deckungsgleich mit den 3,1 Mio. für das Wasserstoffexperiment der Zillertalbahn. Noch besser kann das nicht, wie in diesem Artikel in der Print-Version der Tiroler Tageszeitung am 5. August 2020, zugegeben werden:

„Der ÖVP-Nationalrat und Aufsichtsratschef der Zillertalbahn Franz Hörl freut sich über 3,1 Mio. Euro vom Bund für das Forschungsprojekt zum Wasserstoffzug-Testbetrieb auf der Zillertalbahn. ‚Dafür habe ich einen langen Atem gebraucht, aber wichtig ist, dass Wasserstoff rauskommt‘, sagt Hörl. Bei dem Projekt geht es um die Effizienzsteigerung für den Wasserstoffantrieb. Ausständig sind allerdings noch Beschlüsse aus dem Tourismus für die Mitfinanzierung von 8,3 Mio. Euro für die Umstellung der Zillertalbahn auf Wasserstoff“.

3,1 Mio. Euro entscheiden über Leben und Tod der Achenseebahn!

Damit ist vermutlich klar, dass beim Land nicht der geringste Infrastrukturfinanzierungswille für die Achenseebahn vorliegen dürfte. Zu diesem Ergebnis haben offensichtlich die Achenseebahn-Bürgermeister, auch in ihrer Funktion als Aufsichtsräte, im Verschwörungsgespräch am 16.2.2015 im Alten Landhaus zusammen mit LH-Stv. Felipe beigetragen. Damit werden vermutlich die Achenseebahn-Gemeinden alle finanziellen Konsequenzen aus der Zerstörung der Achenseebahn (Abbau der Bahnanlagen und Entsorgung etc.), nach der mutwilligen Zerstörung der Bahn durch den vom Land Tirol und den Achenseebahn-Gemeinden bewußt herbeigeführten Konkurs, zu tragen haben.

Derzeit steht auf der Achenseebahn alles still, weil das Land Tirol in einem Finanzierungsboykott 3,1 Mio. MIP-Mittel für 2015 bis 2019 der Achenseebahn vorenthalten hat. Das Material zu den Erneuerungsarbeiten, wie die Weichen, lagern in Jenbach und Eben. Auch die Triebwagen warten auf die Modernisierung. Gleichzeitig verkündet NRAbg. Hörl, voll Stolz, dass die Zillertal, vermutlich "zufällig", 3,1 Mio. Euro für das Wasserstoff-Experiment erhält! Eine Kumulierung von "Zufällen" ist immer mit Vorsicht zu genießen!

Spannend wird es zu erkennen sein, ob die Zillertalbahn auch in der nächsten MIP Periode 2020 bis 24 womöglich „wieder zufällig“ den MIP-Betrag der Achenseebahn „3,1 Mio. Euro“ für das Wasserstoffprojekt bekommt!?! Damit wären in Summe der Achenseebahn bereits 6,2 Mio. entzogen worden, die für die Erhaltung bzw. Erneuerung fehlen!

Über die unterschiedliche Wertigkeit von Geld in Tirol haben wir längst berichtet und damit geklärt, dass 3,1 Mio. für die Achenseebahn verweigert werden, während derselbe Betrag bei der Zillertalbahn für ein völlig offenes und wirtschaftlich äußerst riskantes Technik-Experiment kein Problem zu sein scheint.

In der Online-Version der Tiroler Tageszeitung am selben Tag, kann folgende Erkenntnis gewonnen werden:

„Rund 70 Millionen Euro wird die Zillertalbahn in fünf Wasserstoffzüge investieren.“

Laut Adam Riese kostet somit ein Zillertalbahn-Wasserstoff-Triebwagen 14 Mio. Euro. Um den Gegenwert von einem „1“ Zillertalbahntriebwagen sind rund drei „3“ Vollbahn-Elektro-Triebwagen der ÖBB (z.B. Talent Reihe 4024) erhältlich! Über dieses Preis-Leistungsverhältnis muss sicher noch diskutiert werden!

v.l.: ÖBB-Talent Reihe 4024, ÖBB-CityJet Reihe 4744, Slowakische Tatrabahn Stadler-GTW. Moderne elektrische Nahverkehrs-Triebwagen, unabhängig ob normal- oder schmalspurig, werden von der Schienenfahrzeug-Industrie für ca. 4-4,5 Mio. Euro geliefert. Wenn ein Wasserstoff-Triebwagen der Zillertalbahn, pro Fahrzeug rund 10 Mio. zehn Millionen, MEHRKOSTEN verschlingt, ist das ziemlich fragwürdig!

Fünf Zillertalbahn-Triebwagen kosten mehr als das Doppelte des Vollausbaues der Achenseebahn mit Elektrifizierung und Verlängerung bis Pertisau!

TT-Online:

„Rund 70 Millionen Euro wird die Zillertalbahn in fünf Wasserstoffzüge investieren.“

Für 30 Mio. Euro kann die Achenseebahn komplett erneuert, elektrifiziert und bis Pertisau-Karwendeltäler verlängert werden, womit neben den touristischen Dampfzügen ein vollwertiges Nahverkehrsmittel erreicht werden könnte. Die für den modernen Betrieb auf der Achenseebahn notwendigen Elektrotriebwagen stehen bereits, inklusive ausreichender Ersatzteile in Jenbach und Wiesing und kosten, weil voll abbezahlt, nichts mehr.

Die gebrauchten, aber voll funktionsfähigen elektrischen Nahverkehrs-Triebwagen der Appenzellerbahnen stehen bereits in Jenbach und Wiesing und warten auf die Zukunft der Achenseebahn als moderne Nahverkehrsbahn. Während die Wasserstoffzüge der Zillertalbahn, für gigantische 70 Millionen Euro beschafft werden müssen, sind die Appenzellerbahn-Triebwagen längst abgezahlt!

Während die Wasserstoff-Triebwagen der Zillertalbahn erst auf dem Papier bestehen bzw. erst durch die Test- und Experimentierphasen gehen müssen, können die von den Appenzellerbahnen angekauften Elektrotriebwagen, mit neuen Spurkränzen und einer modifizierten Bremsanlage, nach Elektrifizierung der Strecke sofort in Betrieb genommen werden.

Wenn man sich den Bericht in der TT näher betrachtet, fallen ein paar verdächtige Ungereimtheiten auf:

„Dafür habe ich einen langen Atem gebraucht, aber wichtig ist, dass Wasserstoff rauskommt‘, sagt Hörl.“

Das heißt, dass ÖVP-Nationalrat Hörl

„einen langen Atem gebraucht …“

hat, um der Achenseebahn die 3,1 Mio. Euro MIP-Mittel abzuknöpfen, damit bei der Zillertalbahn

„… Wasserstoff raus¬kommt…“

und nicht „Wasserdampf“ aus den Achenseebahn-Dampflokomotiven!

Neues Puzzlestück für die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft

Der Zeitungsartikel der Tiroler Tageszeitung vom 5.August 2020 liefert wieder ein wirklich wertvolles Puzzleteil für die Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft. Dieses fügt sich exakt in das Gesamtbild der Zerstörung der Achenseebahn, das durch das Agieren des Landes Tirol und der Achenseebahn-Bürgermeister in den Konkurs und damit in das Eliminieren dieses wichtigen Tourismuszieles Achenseebahn getrieben wird! Es ist zu hoffen, dass die Korruptions-Staatsanwaltschaft endlich Licht ins Dunkel dieses Finanzskandals in Tirol bringt!

Über Jahrzehnte wurde die Bahnerhaltung bei der Achenseebahn vernachlässigt. Nur so ist es erklärbar, dass gar nicht aufgefallen ist, dass dazu keine professionellen Werkzeuge zur Verfügung stehen. Erst in der Ära Fuchshuber wurde ein Multifunktions-Fahrzeug, das mit vielerlei Geräten, in einer Art "Schweizer-Messer", bestückt werden kann, angeschafft. Dieses Fahrzeug wurde vom Landmaschinen-Hersteller Eberharter in Aschau im Zillertal, beschafft und mit einer Zahnrad-Spurführung adaptiert. In zwei Landmaschinen-Schauveranstaltungen in Aschau wurde dieses Fahrzeug präsentiert. Das störte den NAbg. Hörl derart, dass er die Achenseebahn als "... scho hii ..." abqualifizierte.

In das Sittenbild der Politszene passt auch haarscharf das Statement von NR Hörl vom 1. April 2017 anlässlich der Landmaschinenschau Eberharter Aschau Zillertal: „Georg, gib endlich a Ruah, die depperte Bahn is sowieso scho hii!“ Das klang in den Ohren des ehemaligen Vorstandes Fuchshuber zwar aggressiv, aber trotzdem unglaublich. Jetzt müssen wir zur Kenntnis nehmen, die Mühlen des Politfilzes mahlen langsam aber gründlich und Hörl scherzt nicht, auch nicht am 1. April!

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