ACHENSEEBAHN, ein Opfer politischer Zerstörungswut!

17. April 2020, 00:15 Uhr von Richard Fuchs

Die Geschichte der Achenseebahn ist ein Paradestück aus Versprechungen, Unwahrheiten, Halbwahrheiten, Vertuschung, politischem Machtstreben, Ignoranz, aber auch außergewöhnlichem Engagement. Die Wahrheit wird wohl durch Gerichte gefunden.

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Die Geschichte der Achenseebahn, im letzten Jahrzehnt, ist ein Paradebeispiel aus Versprechungen, Unwahrheiten, Tourismusübersättigung, Vertuschung, politischem Machtstreben, Ignoranz, aus verbitterter Gegnerschaft überheblicher „Pufferküsser“, aber auch aus außergewöhnlichem Engagement von Einzelkämpfern und Visionären. Die Wahrheit wird letztendlich ganz offensichtlich erst durch Staatsanwälte und Richter in diversen Gerichten, sowie engagierte Aufdeckungsjournalisten, gefunden werden.

Land Tirol will mit allen Mitteln den Konkurs der Bahn!

In der offiziellen Aussendung des Landes Tirol vom Karsamstag 11. April 2020 wird ganz offen davon gesprochen, das mutwillig vom Zaun gebrochene Insolvenzverfahren bis zum Konkurs durchziehen zu wollen. Dann soll die Bahn, aus der Konkursmasse, einem imaginären Nachfolger nachgeschmissen werden.

Information des Landes Tirol 11.04.2020
Land Tirol will Achenseebahn erhalten

3,4 Millionen Euro für Teilbetrieb und Sanierung der Infrastruktur
11.04.2020 Kategorien: LHStvin Felipe LHStv Geisler AutorIn: Clemens Rosner

Die Tiroler Landesregierung gibt ein Bekenntnis zum Erhalt der Achenseebahn ab und stellt 3,4 Millionen Euro für die Aufrechterhaltung eines Teilbetriebs für die voraussichtliche Dauer des Insolvenzverfahrens sowie für dringend notwendige Maßnahmen zur Sanierung der Eisenbahninfrastruktur zur Verfügung. Dieses Hilfspaket bedarf der Zustimmung des Tiroler Landtags. ermöglichen. Die Achenseebahn ist eine Tourismusattraktion. Diese gilt es gerade jetzt zu sichern, um der Tourismusregion nach der Krise wieder auf die Beine zu helfen“, erklären LHStvin Ingrid Felipe und LHStv Josef Geisler. Aus rechtlichen Gründen war es dem Land Tirol nicht möglich, die Mittel vor der Einleitung des nunmehr laufenden Insolvenzverfahrens zuzusichern.

Die Aufrechterhaltung eines unternehmerischen Teilbetriebs der Achenseebahn ist unter anderem zum Erhalt der eisenbahnrechtlichen Konzession notwendig. Die Planung des Teilbetriebes sowie die Erarbeitung des notwendigen Sanierungskonzeptes für die Infrastruktur will das Land Tirol in enger Abstimmung zwischen dem Masseverwalter, dem Betriebsleiter und den Fachabteilungen des Landes vornehmen. Einen Bahnbetrieb wird es in der heurigen Saison aufgrund der notwendigen Sanierungsarbeiten an der Strecke und dem Wagenmaterial nicht geben. Das vollständige Sanierungsprogramm für die Infrastruktur soll bis Juli dieses Jahres erarbeitet werden und eine detaillierte Vorausschau auf die folgenden Jahre beinhalten.

„Ziel des Landes Tirol ist es, eine Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern und eine mittelfristige Wiederinbetriebnahme der Achenseebahn zu touristischen Zwecken durch einen neuen Eigentümer zu.

Als Nachfolger wird, in der Gerüchtebörse, bereits die Zillertalbahn genannt, obwohl diese vor Wochen bereits dementiert hat. Die Wahrheit dürfte vorerst dabei auf der Strecke bleiben, was ein typischer Hinweis auf das anfangs genannte politische Trauerspiel Lust an der Zerstörung eines der bedeutendsten Tourismusziele Tirols, der Achenseebahn, ist. Nun wird nicht einmal der Wille der Zerstörung vertuscht, sondern in der amtlichen Landeskorrespondenz klar ausgedrückt: Erst wird die Achenseebahn AG in Konkurs geschickt, ihre Aktionäre ihres Geldes beraubt und dann wird genau das Steuergeld, das der Achenseebahn vorenthalten wurde, nun einem öffentlich unbekannten Nachfolger nachgeschmissen.

Die Botschaft des Landes Tirol an die Bevölkerung scheint klar zu sein. Die Bahn muss sterben!

Amtsmißbrauch von Mitgliedern der Landesregierung in Tirol!

Das Land Tirol hat sich einen Rechtsanwalt geholt, der angeblich ein Gutachten über Betrieb und Wirtschaftlichkeit eines Eisenbahn-Unternehmen erarbeitet haben soll, das zwar niemand kennt, aber aus dem das Land abgeleitet hat, dass es „unverantwortlich wäre nochmals Geld zuzuschießen“.

Das "verleugnete Unternehmenskonzept!" - Kurzpräsentation

Für den Fall, dass es seitens des Landes Tirol tatsächlich ein Gutachten geben sollte, ist dieses auf jeden Fall mit dem Strategiepapier der Achenseebahn AG zu vergleichen! Letzteres ist vom fachkompetenten Vorstand der Achenseebahn terminlich aktualisiert worden, der vordem als Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Tirol den ÖPNV in ganz Tirol auf professionelle Beine gestellt hat.

Das Konzept der Achenseebahn in Richtung Modernisierung und Pertisau gibt es seit 2013 und wurde 2018 überarbeitet. Die elektrischen Nahverkehrstriebwagen sind vorhanden. Nur der politische Wille fehlt, weil die Bahn einfach weg muss.

Es ist legitim, wenn das Land Tirol einen Gutachter beauftragt, der der Landesregierung eine Empfehlung ausspricht. Wenn die Behauptung (siehe LK 11.4.2020) ausgesprochen wird „… aus rechtlichen Gründen war es dem Land Tirol nicht möglich, die Mittel vor der Einleitung des nunmehr laufenden Insolvenzverfahrens zuzusichern ...“, sind diese „rechtlichen Gründe“ zu belegen. Wenn dann auch noch dieser Rechtsanwalt zum Masseverwalter bestimmt wird, ist das eine charakteristische Unvereinbarkeit, die man in einem Rechtsstaat auf gar keinen Fall machen darf. Das riecht nach politischem Amtsmissbrauch, der nicht ohne Folgen bleiben darf.

Normalerweise gibt es in Demokratien die Kompetenz-Aufteilung von Legislative, Exekutive und Judikative. Hat sich die Politik in Tirol überhaupt überlegt, dass ein einziger Rechtsanwalt gleichzeitig Gutachter, Ankläger und Richter in einer Person ist? Betrachtet man auch die „Corona-Fabrik Ischgl“, stellt sich schon die Frage, ob beide Politkrimis (Corona und Achenseebahn) vergleichbare anrüchige Vorgänge sind.

Die Einschaltung der Korruptionsstaatsanwaltschaft erscheint unumgänglich!

Nachdem das Vermögen der Bahn gefühlt weit über 10 Millionen Euro hinausgeht und in Tirol ein ziemlich obskures Demokratieverständnis herrscht, ist dieser Tiroler Politkrimi ein klarer Fall für die Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft in Wien!

Erhaltung der Infrastruktur ohne MIP-Mittel von Bund und Land unmöglich!

Seit 2015 fehlende Infrastrukturmittel (MIP = Land/Bund) für erneuerungsbedürftige Gleisanlagen haben zu der prekären Lage der Achenseebahn geführt. Ohne eine sichere Eisenbahninfrastruktur kann die Bahn trotz rentablen Fahrbetriebs (siehe Bilanzen 2014 bis 2018) nach 130 Jahren nicht mehr fahren. Anstatt die Infrastrukturmittel diskriminierungsfrei der Achenseebahn, wie allen anderen Regionalbahnen in Österreich auch, zur Verfügung zu stellen, hat man ihr diese entzogen. In der Tiroler Landeskorrespondenz kommt klar zum Ausdruck, dass zuerst die Bahn (=jetzige Eigentümer) in Konkurs gehen muss, um dann die seit 5 Jahren fehlenden Geldmittel (= € 3,4 Mio.) einem neuen Eigentümer zur Verfügung zu stellen, der offiziell noch nicht feststehen darf! Die Bahn gibt es heute nur noch deswegen, weil diese auch unter geänderter Vorsitzführung im Aufsichtsrat mit neuem Vorstand saniert wurde.

Die Achenseebahn wird auch in Zukunft eine Dampfzahnradbahn sein! Sie wird auch zukünftig offensichtlich nur saisonal verkehren, man verzichtet auf die Weiterentwicklung zu einer modernen, elektrischen Nahverkehrsbahn für den Alltag und verschließt sich damit bewusst einer Verkehrslösung für die Region und Jenbach. Die zugesagten Geldmittel werden mutmaßlich nicht mehr an die seit 2015 genannten Kriterien geknüpft, sondern offensichtlich nur mehr daran, dass das Land Tirol sich einen neuen Eigentümer erwartet, den es noch nicht einmal kennen kann.

Kurzzusammenfassung der Vorkommnisse zwischen 2013 und 2020 bei der Achenseebahn

Mit der Landesinformation vom 11. April 2020 wird der ursprüngliche Plan ganz offenkundig.

Der Achenseebahn hat man das MIP, das „Mittelfristige Investitionsprogramm des Bundes“ im Jahr 2015 gestrichen, mit der vom Land Tirol aus gewünschten "Definition", dass die Achenseebahn eine reine Touristikbahn sei und hat damit nachhaltigen Schaden angerichtet, wie das Insolvenzverfahren der Achenseebahn unschwer erkennen lässt!

Das überschüssige Geld, der bereits vom Bund geleisteten Zahlungen, hat man 2015 zur Zillertalbahn und Stubaitalbahn transferiert.

Die Auszahlung der 1,2 Mio. Euro des Landes Tirol war an eine Änderung bei der Aktionärsstruktur geknüpft (2018/2019). Die ursprünglich als „sofortige Auszahlung zur Überbrückung“ wurde bis heuer, also ein Jahr später (letzte Auszahlung ca. Februar 2020), hinausgezögert.

TT-Forum LAWI Rotholz Podium v.l.: Achenseebahn-Vorstand Fuchshuber,Bürgermeister Jenbach Wallner, TT-Chefredakteur Zenhäusern, Landeshauptmann-Stellvertreter Geisler, Landtagsabgeordneter Weratschnig

Unzählige Zusagen seitens des Landes Tirol (Landtagsbeschluss Februar 2019) wurden nicht eingehalten, obwohl dies, medial publiziert, zugesichert war. In einer TT-Veranstaltung in Rotholz mit LH-Stv.Geisler (19.Februar 2019) wurde das auch öffentlich (vor Zeugen) gemacht. So musste sich auch die Bank der Achenseebahn auf die Zusage seitens des Landes verlassen können.

Die Diskussion TT-Forum der Tiroler Tageszeitung in Rotholz wird sehr emotionsgeladen geführt. Bgm. Wallner von Jenbach, Mitglied im Aufsichtsrat der Achenseebahn, versteigt sich sogar in der Berhauptung keinerlei Informationen vom Vorstand zu erhalten und muss das sofort widerrufen. LH-Stv. Geisler verbreitet den Landtagsbeschluss zur "kurzfristigen finanziellen Unterstützung", die dann noch fast ein Jahr auf sich warten ließ!

Der Gutachter des Landes, der jetzt auch Masseverwalter in Personalunion ist, hat weitere Auszahlungen für "fahrlässig" erklärt. Durch das Insolvenzverfahren gab es so nebenbei auch unmittelbar internationales Interesse an den Fahrzeugen, offenbar sind diese dann doch nicht so schlecht.

Im Insolvenzverfahren wird dann wohl herauskommen, dass ein neuer Eigentümer den ganzen "Schrott" für einen symbolischen Euro „retten“ wird dürfen.

Damit wird dann wohl dem Vernehmen nach die Zillertalbahn bzw. die ZVB auf den Plan gerufen, die das ganze „gnädigerweise“ übernehmen werden. Plötzlich wird dann irgendwann auch die Achenseebahn wieder als "Öffi" relevant werden und man wird wieder völlig problemlos das MIP erhalten.

v.l: Triebwagenzug im Bahnhof Jenbach, Wendezug in der Haltestelle Kaltenbach-Stumm und Wendezug abfahrbereit Richtung Mayrhofen im Bahnhof Jenbach.

Nach dem Insolvenzverfahren werden die Aktionäre, darunter die Anrainergemeinden, der Achenseebahn ihre Aktien wohl als Tapeten verwenden können, weil sie wertlos sein werden?

Nebenbei sichert sich die ZVB einen gehörigen Anteil des gesamten ÖV im Bezirk Schwaz.

LHStv Josef Geisler als Zillertaler hat dann dafür gesorgt, dass die Zillertaler sich endlich das Achental einverleiben könnten und so eine "non Apres Ski" Tourismusregion kostengünstig dazu bekommen.

Die "neue Achenseebahn“, wie auch immer die ausschaut, die dann vielleicht Teil der Zillertalbahn sein soll, wird auch später noch dampfen und rauchen, was ja die Atttraktivität dieser historisch attraktiven Dampfzahnradbahn ausmacht und jährlich um die 100.000 Fahrgäste zum Achensee anlockt. Auch die Zillertalbahn fährt, aus gutem Grund, Dampfzüge! Pro Kopf der Fahrgäste, emittiert die Achenseebahn mit ihren Dampflokomotiven lediglich ein Fünftel der Schadstoffe im Vergleich zu den Privat-Pkw der Autofahrer, wie Serchinger es eben errechnet hat!

Zum 130-Jahrjubiläum sind die beliebten Dampf-Zahnradbahnzüge der Achenseebahn unterwegs.

Aber mal abwarten, noch wurde ja nichts ausbezahlt. Zusagen, auch wenn sie in Zeitungen verkündet werden, müssen in Tirol nichts heißen, wie man bei den 1,2 Mio 2019 gesehen hat ...

Im Jahr 2019 hat man den Bogen der Wahrheit so weit überspannt, dass auch heute nicht zu erwarten sein wird, dass das Land Tirol irgendetwas zahlen wird. Kann es sein, dass bei diesem „Wahrheitsverständnis“ womöglich auch noch das anonyme Corona-Virus für den Konkurs der Achenseebahn verantwortlich gemacht wird?

Das letzte Jahrzehnt hat in Tirol gezeigt, dass alles möglich im Lotto ist!

Es ist fast schon prophetisch, wenn in Jenbach vor dem Bahnhof das „Hotel Toleranz“ längst geschlossen ist! Toleranz zwischen Tirol, Jenbach und der Achenseebahn gibt es leider keine. Die Bahn wird in den Konkurs getrieben!

Das sind die Gedanken zu diesem Thema, die sich besorgte und informierte Betrachter der Eisenbahnszene seit 2016 machen.

Die Achenseebahn hat Zukunft! Das Problem ist nur, dass die Politik diese Zukunft verhindert. Da nimmt man sogar in Kauf, dass auf der Straße zum Achensee der Stau jegliche Mobilität zum Erliegen bringt!